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Summary:

Als Marcel Felix endlich von seinen Gefühlen für ihn erzählt, kassiert er einen Korb und ist danach untröstlich. Zum Glück ist da noch Dima.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Marcel

Mit klopfendem Herzen stehe ich vor der verschlossenen Wohnungstür. Allerdings nicht lange, denn nachdem ich mit zittrigen Fingern die Klingel betätigt habe, ertönen sogleich Schritte auf der anderen Seite und die Tür schwingt auf.

„Hey!“, begrüßt Felix mich grinsend, ehe er mit mir einschlägt. „Hi!“, erwidere ich und versuche, mir dabei meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. „Hast du dich gut eingelebt?“, fragt er und tritt zur Seite, damit ich mich an ihm vorbei schieben kann.

Ich nicke, während ich mir meine Schuhe von den Füßen streife. „Joa, geht so.“ Einerseits ist es schön, endlich eine Wohnung für mich alleine zu haben. Andererseits ist es auch extrem anstrengend, dass ich mich jetzt um alles selber kümmern muss. Verträge unterschreiben, Inneneinrichtung, Haushalt. Über stressig.

Felix lacht. „Das wird schon.“ Schulterzuckend folge ich ihm durch den Flur ins Wohnzimmer, wo wir uns nebeneinander auf die Couch pflanzen. „Ist nur etwas einsam“, gebe ich zu. Was zumindest so halb stimmt.

Denn was mich stört, ist eigentlich nicht das Alleinsein, sondern die Abwesenheit von Felix um mich.

Ich kann schon gar nicht mehr genau sagen, wann dieses Gefühl angefangen hat; Der Drang, ihm ständig nah zu sein, gemeinsam zu Lachen, Scheiße zu labern und einfach Zeit mit ihm zu verbringen.

Es hat lange gedauert, bis ich gecheckt habe, dass das Verliebtsein ist. Dieses Kribbeln, was sich immer in meiner Magengegend breitmacht, wenn ich bei ihm bin. Zu lange bin ich in dem Glauben aufgewachsen, dass ich irgendwann ein hübsches Mädchen kennenlernen und sie heiraten werde. Brandenburger Dorf eben.

Mittlerweile weiß ich, dass ich mir die Crushes auf meine Mitschülerinnen in der Schule nicht eingebildet habe, aber dass ich eben auch Jungs gut finde. Manche zumindest. Zum Beispiel den, der mir gerade gegenübersitzt und mich mit gerunzelter Stirn anstarrt. Oh, hat er etwa etwas gesagt?

„Hm?“, mache ich, um ihn wissen zu lassen, dass ich geistig wieder anwesend bin. Felix mustert mich eindringlich. „Alles gut bei dir? Du warst ja grad vollkommen woanders.“ „Oh, ja, alles gut.“ Nervös wippe ich mit meinem Knie auf uns ab. „Ich muss dir nur was sagen.“

Der Ältere zieht eine Augenbraue hoch. „Okay?“ Er sieht mich abwartend an. Als ich keine Anstalten mache, weiterzusprechen, fügt er hinzu: „Ich höre.“

Okay. Tief durchatmen. So oft schon habe ich mir in Gedanken die Worte zurechtgelegt, die ich zu Felix sagen will, doch in diesem Moment, wo er direkt neben mir sitzt und mich mit seinem Blick durchbohrt, herrscht in meinem Kopf nur Buchstabensalat.

„Ich…“, stottere ich und versuche mir dabei nicht anmerken zu lassen, wie sehr meine Stimme zittert, „Ich mag dich.“ Drei Worte. So vage und doch weiß man in diesem Moment genau, was damit gemeint ist. Felix zumindest tut das, das sehe ich in seinem Blick. Sagen tut er aber nichts.

Die Stille zwischen uns wabert noch eine Weile im Raum umher, ehe er sich räuspert. „Marcel…ich…“, er hadert um die richtigen Worte, „Ich wünschte, ich könnte diese Gefühle erwidern, wirklich, du bist ein toller Typ und ein guter Freund. Aber mehr ist es für mich auch nicht. Tut mir leid.“

Sein Blick ist so weich und voller Mitgefühl, dass diese Worte fast noch mehr wehtun. Ganz langsam sickert auch ihre Bedeutung zu mir durch. Felix erwidert meine Gefühle nicht und ich habe gerade einen Korb kassiert. Nicht zum ersten Mal in meinem Leben, aber es ist das erste Mal, dass es so weh tut.

Ich schlucke und nicke langsam. „Okay.“, meine Stimme klingt plötzlich so rau, als hätte ich sie heute noch gar nicht benutzt, „Danke für deine Ehrlichkeit.“ Ein paar Momente sitzen wir noch einfach so da, dann murmle ich: „Ich glaube, ich sollte gehen.“

Felix sieht aus, als würde er protestieren wollen, kennt mich aber vermutlich gut genug, um zu wissen, dass ich jetzt erstmal Zeit für mich brauche. Also nickt er und begleitet mich zurück zur Wohnungstür.

Schnell schlüpfe ich wieder in meine Schuhe, ehe ich mich hastig verabschiede und ins Treppenhaus verschwinde. Ich verlasse das Wohnhaus und bewege mich zielstrebig durch die Straßen der Stadt, die mir, obwohl mein Umzug nun schon einige Wochen her ist, immer noch so fremd erscheinen.

In meiner Wohnung, die sich noch nicht so ganz wie Zuhause anfühlt, angekommen, schmeiße ich erstmal den PC an und starte F1 2025. Es gibt nicht mal einen bestimmten Grund dafür, dass es ausgerechnet dieses Spiel ist, es ist einfach das, was in der Liste ganz oben angezeigt wird.

Eine Weile lang drehe ich einfach meine Runden in Spa-Francorchamps, bis mich ein eingehender Discord-Anruf unterbricht. Wichtiger. Eine Sekunde lang frage ich mich, was Mike von mir will, bis mir einfällt, dass ja heute Abend ein Minecraft Turnier ansteht.

Aber das ist erst um 20 Uhr. Was will er denn jetzt schon von mir, es ist doch erst…19:50, verrät mir die Uhr in der Ecke meines Bildschirms. Oh. Anscheinend habe ich vor lauter Grübeln mein Zeitgefühl verloren. Also schließe ich schnell F1 und entkopple die Pedale und das Lenkrad und starte noch eben meinen Stream.

Dann trete ich dem Anruf bei, in dem neben Mike auch schon Hugo und Dima auf mich warten. „Hallo Nooreax!“, werde ich sofort vom Luxemburger begrüßt und Dima schließt sich mit einem „Notyyyy!“ an. Ich verstehe nicht wieso, aber irgendwie ist mein Trübsal sofort wie weggeblasen.

Felix verschwindet in die hinterste Ecke meiner Gedanken und Minecraft mit dieser absoluten Chaostruppe rückt in den Vordergrund. Während des gesamten Turniers beleidigen Mike und Hugo sich gegenseitig in Grund und Boden und auch mir reißt ein paar Mal der Geduldsfaden.

Trotzdem macht es mir einen Heidenspaß, endlich mal wieder so richtig Minecraft zu zocken. Am Ende schaffen wir es sogar ins Finale. Er ist so nah, mein erster Sieg in einem Minecraft Turnier.

„Verdammte Scheiße!“, fluche ich laut, als mich ein gegnerischer Pfeil durchbohrt. Es steht 2:2 im Dodgebolt und nach meinem Tod ist aus unserem Team jetzt nur noch Dima übrig. Auf der anderen Seite stehen Fabo und Zarbex.

Ich kann kaum hinsehen, so hoch ist mein Puls, als Dima einen Pfeil aufhebt, den Bogen spannt und nach einiger Zeit schießt. Leider einen Ticken zu spät, der Pfeil saust haarscharf an Zarbex vorbei. Dafür sitzt der nächste Schuss von Fabo und Dima geht als letzter aus unserem Team K.O. Damit verlieren wir das Finale mit 2:3.

Frustriert schlage ich auf meinen Schreibtisch, was meine Bildschirme zum Wackeln bringt. Am liebsten würde ich schreien, aber so viel Respekt habe ich dann doch noch für meine Nachbarn. „Kann sein, du bist wirklich verflucht, Bro.“, wirft Hugo nicht besonders hilfreich ein. Nur Mike lacht.

Nach der Pleite mit Felix vorhin und im Turnier gerade habe ich keine besonders große Lust mehr, noch live zu bleiben. Deswegen verabschiede ich mich schnell von den Jungs und verlasse den Call, ehe ich den Stream beende.

Ich will gerade Discord schließen, als ich zum zweiten Mal am heutigen Tag angerufen werde. Diesmal ist es Dima. „Hey.“, begrüße ich ihn müde, „Ist noch was?“ „Tut mir leid, dass wir nicht gewonnen haben.“, platzt er sofort heraus, „Ich hätte besser zielen sollen und ihn danach besser outmoven.“

Er klingt ehrlich, als würde ihn das wirklich beschäftigen. „Dima“, setze ich an, „Dir braucht nichts leidtun.“ „Aber wir haben wegen mir verloren-“ Ich unterbreche ihn. „Dima, du bist an nichts schuld. Du hast am längsten von uns allen überlebt. Wirklich. Ich bin nicht sauer oder so.“

Den letzten Satz füge ich hinzu, weil ich spüre, dass er das hören muss. Ich kenne Dima inzwischen gut genug, um zu wissen, dass er oft an sich selbst zweifelt. „Aber-“, will Dima schon wieder widersprechen. „Nichts aber.“, versichere ich ihm, „Du hast super gespielt, am Ende war es einfach Pech.“

So wie jedes Mal.

„Nächstes Mal gewinnen wir.“, stimmt der Russe mir zu. Dann entkommt ihm ein Gähnen. „Ich geh dann mal schlafen, glaub ich.“ Ich nicke, obwohl er mich nicht sehen kann. „Mach das. Gute Nacht, Dima.“ „Gute Nacht, Marcelinho.“

Tatsächlich spielen Dima und ich nur wenige Tage später ein weiteres Minecraft Turnier zusammen. Diesmal ist es ein Internationales, zu dem ich Last Minute eingeladen wurde, da ein anderer Creator krank ausgefallen ist.

Wir gewinnen zwar entgegen Dimas Versprechen auch dieses Turnier nicht, aber immerhin schaffen wir est nicht einmal ins Finale, weshalb es weniger wehtut, ein anderes Team gewinnen zu sehen.

Nachdem unsere Streams beendet sind, ruft Dima mich an. „Hey, alles klar?“ „Ja, alles gut.“, erwidert er, „Ich wollte nur fragen, ob ich in ein paar Wochen bei dir übernachten kann. Ich bin für ein Event in Köln, aber alle Hotels sind schon ausgebucht oder gottlos teuer.

„Und weil du jetzt da wohnst, dachte ich, ich könnte vielleicht zwei Nächte oder so bei dir pennen?“

„Oh.“ Die Anfrage überrumpelt mich ein bisschen, aber nicht im negativen Sinne. „Klar, kannst gerne bei mir pennen.“ „Super. Danke, Marcel! Du rettest mir echt den Arsch.“ Dima atmet erleichtert aus. Ich lache leise. „Kein Ding.“

Nachdem wir uns verabschiedet haben, mache ich eine mentale Notiz, eine zweite Matratze zu kaufen. Denn den Boden will ich Dima echt nicht antun und meine Couch ist auch nicht viel besser.

Die nächsten Wochen ziehen nur so vorbei und bevor ich mich versehe, schreibt Dima mir, dass er mit dem Zug wohlbehalten am Kölner Hauptbahnhof angekommen ist. Erst nachdem ich mit einem Daumen hoch reagiert habe, fällt mir ein, dass ich gar keine zweite Matratze gekauft habe. Ach verdammt.

Daraufhin durchforste ich nochmal alle meine Schränke (als könnte man eine Matratze einfach übersehen), doch alles, was ich finde, ist eine hauchdünne Iso-Matte, die mir schon viele Rückenprobleme beschert hat. Die kann ich Dima auf keinen Fall geben, was wäre ich denn dann für ein Gastgeber?

Seufzend betrachte ich mein King-Size-Bett. Das hat eine gute Matratze und ist definitiv groß genug für zwei und Kissen und Decken habe ich zum Glück auch genug. Dann werde ich wohl für ein paar Nächte mit Dima teilen müssen.

Die Türklingel reißt mich aus meinen Gedanken. Auf Socken tapse ich in den Flur, um den Summer zu drücken und Dima ins Haus zu lassen. Dann öffne ich die Wohnungstür und lausche den immer lauter werdenden Schritten, bis ein mir bekanntes Gesicht die letzten Stufen zu meiner Wohnung erklimmt.

„Hey, Noty!“, grinst Dima, was mir auch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. „Hey!“, entgegne ich froh und trete beiseite, damit der Ältere an mir vorbei in den Wohnungsflur treten kann. Mit einem lauten Rumms stellt Dima seinen Rucksack auf dem Boden ab. „Alter, hast du Steine dabei?“, frage ich scherzhaft, als er sich danach erstmal streckt.

„Nein, nur tonnenweise Pelmeni.“, lacht er. Auf meinen fragenden Blick hin fügt er erklärend hinzu: „Meine Oma war zu Besuch und als ich erzählt habe, dass ich wegfahre, hat sie mir zwei große Tuppern mitgegeben, damit ich nicht verhungere.“

Ich grinse. „Weise Frau. Ich hab nämlich legit nur noch ein paar Packungen Prep-My-Meal im Kühlschrank“ (#Productplacement). Dimas Kichern jagt mir einen wohligen Schauer über den Rücken. „Ach ja, du musst dich ja jetzt komplett alleine organisieren. Wie läuft so das Alleinleben?“

Meine Hand wandert in meinen Nacken. „Ähm, also, ich hab noch keine Gästematratze. Wir müssten uns also mein Bett teilen.“ Dima hebt lachend die Augenbrauen an. „Woah, lad mich erstmal zum Essen ein, bevor du mir dein Bett zeigst.“ „Ich dachte, deine Oma hat dir genug Pelmeni für eine Fußballmannschaft mitgegeben. Du brauchst doch gar kein Essen von mir.“, kontere ich ebenfalls lachend. „Hast recht“, grinst Dima, „Na dann zeig mir mal wohin.“

Während wir erst das Bett fertig machen und dann Essen machen (er teilt seine Pelmeni mit mir und ich mein PMM-Curry), merke ich, wie sehr ich es vermisst habe, mit Dima Zeit zu verbringen. Ich habe einfach unfassbar viel Spaß daran, Dima zu trollen und danach mit ihm zu lachen.

Außerdem konnte ich schon lange nicht mehr so offen und ehrlich mit jemandem reden. Hier, so ganz ohne Stream, brauche ich mir (zumindest erstmal) auch keine Sorgen zu machen, dass Dima gleich irgendwas leakt.

Es ist schon spät am Abend und wir sind immer noch wach. Inzwischen sind wir vom Küchentisch ins Bett umgezogen. Nebeneinander an das Kopfteil gelehnt sitzen wir da und reden über alles mögliche.

Ich erzähle ihm von der Sache mit Felix. Dima erzählt mir von der Odyssee, die er hinter sich gebracht hat, um endlich den Deutschen Pass zu bekommen.

Dann steht er kurz auf, um mir stolz das burgundrote Heftchen unter die Nase zu halten. Nachdenklich betrachte ich es, ehe ich scherzhaft meine: „Dann ist unsere Hochzeit jetzt also doch abgesagt?“

Einen Moment lang schaut Dima verwirrt, dann scheint es klick zu machen und er lacht. „Naja aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, oder? Jetzt können wir zumindest mit einem Date anfangen, so wie normale Menschen.“

Perplex sehe ich zu ihm auf. War das ein Witz? Aber Dima lacht nicht. Stattdessen sieht er mich unsicher an. „Also nur, wenn du willst, meine ich. Wenn du noch nicht über Felix hinweg bist, versteh ich das komplett. Ich-“

 „Voll gerne“, unterbreche ich den Älteren, bevor er sich wieder in eine Spirale redet, „Ich würde voll gerne auf ein Date mit dir gehen.“

Mit einem lauten Ausatmen lässt Dima sich wieder neben mich auf das Bett fallen. Dann dreht er sich zu mir und grinst mich an. „Zählt das hier schon als Date?“ Sanft lächelnd streiche ich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. „Ich meine, wir haben zusammen gegessen und liegen jetzt zusammen im Bett. Bilderbuch-Definition von einem ersten Date.“

„Bisschen romantischer hab ichs mir schon vorgestellt.“, beschwert Dima sich amüsiert. „Ich würd ja Kerzen anmachen, aber ich hab keine wegen Brandgefahr.“, gebe ich lachend zu, woraufhin er grinst. Das Grinsen wandelt sich aber schnell in ein Gähnen.

„Vielleicht sollten wir mal schlafen gehen. Du musst ja schließlich morgen früh raus für dein Event.“ Dima nickt bloß, ehe er sich in sein Kissen fallen lässt und die Augen schließt. „Gute Nacht, Marcel.“ „Gute Nacht, Dima.“

Notes:

Ich habs auch endlich mal wieder geschafft, was etwas längeres zu schreiben. Ich hoffe, es gefällt euch :)

MsReyland

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