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Bis dass der Tod uns scheidet

Summary:

Bob verhält sich eigenartig. Als Peter und Justus dem auf den Grund gehen, machen sie eine Entdeckung, welche sie nicht glauben können. Und doch ist alles anders als es scheint. Denn im Kern geht es doch nur um Eines: Liebe

Notes:

Nach meiner kleinen Pause melde ich mich wieder. Und wie versprochen wird es spannend werden. :D
Ich wünsche euch beste Unterhaltung mit unseren Lieben. <3

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: Der Abschiedskuss

Chapter Text

Es war die zweite Woche in Folge, in der Bob zu spät kam. Bei beinahe jedem Treffen kam ihr Dritter Detektiv nicht pünktlich, wenn er denn überhaupt kam. Auch heute war das wieder der Fall. Die Semesterferien waren gerade zwei Wochen alt, sie waren wieder in Rocky Beach und auch wenn kein Fall anstand, hatten sie doch genug vor. Doch egal, ob sie an den Strand wollten, Eis essen gingen, ein Konzert besuchten oder einen Trail wanderten, Bob kam zu spät. Und wenn er da war, wirkte er seltsam abwesend, sprach weniger als sonst und war pausenlos in sich gekehrt. Es war Anlass genug für Peter sich langsam zu sorgen.

Als der Dritte Detektiv auch heute (sie wollten zu dritt an den Strand) zu spät in die Zentrale kam, konnte Peter seine Irritation nicht mehr zurückhalten. Er sprach Bob direkt darauf an: „Sag mal, Bob, was ist mit dir los?“ Die blauen Augen seines Freundes huschten so schnell zu ihm, dass Peter einen Moment erstarrt inne hielt. Dann fasste er sich und fügte hinzu: „Seitdem wir Ferien haben, bist du wie ausgewechselt. Wir haben Ende des Semesters so viele Pläne gemacht und nun kommst du meist zu spät oder sagst sogar Treffen ab. Hast du keinen Bock mehr auf uns?“

Während Peter dies äußerte, schoss ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Auch wenn ihm dieser Bauchschmerzen bereitete, überspielte er ihn mit einem Lächeln und erkundigte sich: „Oder hast du eine neue Freundin?“

Er sah Bob schlucken. Dann öffnete er seinen Mund. „Ja.“ Ein Wort und Peter fühlte sich, als wäre sämtliche Luft aus seinen Lungen gepresst worden. „Echt jetzt?“, brachte er mehr stotternd als redend heraus.

Nun schien auch Justus’ Aufmerksamkeit gebannt, denn er sah Bob musternd an. „Ja“, kam es erneut, doch klang es seltsam gepresst. Das klang nicht wie jemand, der Schmetterlinge im Bauch hatte.

„Seit wann?“, wollte Peter wissen. „Seit ein paar Wochen.“ „Oh“, entwich es Peter tonlos. Seit ein paar Wochen? Wie konnte ihm das denn entgangen sein? „Und deswegen hast du keine Zeit mehr für uns?“, schloss Peter.

Bob nickte schnell und fuhr sich fahrig durchs Haar. Er lächelte. „Und genau deswegen muss ich jetzt auch wieder los.“ Er hob die Hand winkend zum Gruße. „Tut mir leid, ich mach es wieder gut. Sehen wir uns heute Abend?“ Bevor Peter hätte antworten können, sagte Justus: „Ja, wir wollten gegen 20 Uhr wieder hier sein.“ „Bestens“, rief Bob so fröhlich, dass Peter ein ungutes Gefühl ergriff. „Dann bis später!“ Und mit diesen Worten war Bob verschwunden.

Vollkommen irritiert sah Peter ihm nach. Dann machte er seiner Verwirrung Luft. „Was war das denn?“ „Das bleibt abzuwarten“, erklang Justus’ Stimme. Peter war insofern beruhigt, dass ihm diese Tonlage verriet, dass auch Justus bemerkt hatte, dass mit ihrem Dritten etwas ganz und gar nicht stimmte.

Der Tag am Strand war entsprechend nicht so schön wie erhofft verlaufen. Peter hatte zwar viele tolle Wellen erwischt, aber seine Gedanken weilten bei Bob. So schön Zeit mit Justus auch war (der Proviant an diesem Strandtag war ausgezeichnet), war er doch damit beschäftigt, was bei Bob los war. Eine neue Freundin also. Bob hatte schon ewig keine Freundin mehr gehabt. Er fand zwar schnell Anschluss, ließ sich aber nie auf was Engeres ein. Er hatte in den letzten Jahren zufrieden gewirkt.

Das war auch noch bis Semesterende der Fall gewesen, doch seit dem zweiten Tag der Ferien in Rocky Beach war es anders. Hatte er da seine Freundin kennengelernt? Aber warum wirkte er dann so abwesend? Peter verstand es nicht und noch weniger mochte er es. Er hatte sich so an das Leben zu dritt, als drei studierende Fragezeichen gewöhnt, dass ihm eine Freundin irgendwie überflüssig vorkam, vielmehr noch wie ein Fremdkörper, der einfach nicht in ihr Leben passte.

Als sie an diesem Abend um 20 Uhr die Zentrale betraten, die Haare noch ganz feucht, wunderte Peter sich keineswegs, dass Bob noch nicht da war. Es passte ins Bild. Seufzend holte er Justus und sich eine Limo und einige Nüsse mit denen sie sich knurpsend aufs Sofa verzogen. Eine halbe Stunde später kündigte das Rumpeln in Tunnel 2 die Ankunft ihres fehlenden Fragezeichens an.

Peter musste dem Drang widerstehen sich abzuwenden, um seinem Freund schmollend klar zu machen, dass es so nicht weiter ging. Aber das würde nichts bringen. Er musste Tacheles reden. So legte Peter seine Surfzeitschrift weg und erhob sich. Er würde Bob ordentlich die Meinung geigen. „Das solltest du nicht tun“, sprach Justus und auf Peters aggressives „Werde ich aber. Das hätte ich vor Tagen tun sollen“, erhob sich auch der Erste Detektiv.

Doch kaum, dass Bob die Zentrale betreten hatte, waren alle konfrontativen Vorsätze des Zweiten Detektivs wie weggeblasen: Bob sah elend aus. Und was noch unheimlicher war: Im nächsten Moment lächelte er. „Hallo ihr Zwei“, grüßte er und seine Stimme spiegelte keine Sekunde das wieder, was Peter in seinen Augen sehen konnte. „Tut mir leid, dass ich zu spät komme. Was steht an?“

Peter ballte die Hände zu Fäusten. „Was ansteht?“, wiederholte er fassungslos, spürte im nächsten Moment eine Hand in seinem unteren Rücken. Justus, der ihn zweifelsohne zur Mäßigung anregen wollte. Es machte ihn noch wütender. Bevor er jedoch den Mund aufmachte, ergänzte Justus: „Wir wüssten gerne, was zur Zeit in dir vorgeht. Du wirkst verschlossener als sonst.“

Bob presste kurz die Lippen aufeinander, dann lächelte er. „Ja, das stimmt. Bitte verzeiht mir, es steht momentan alles ein wenig Kopf.“ Peter konnte sich ein spöttisches „Ach?!“ nicht verkneifen. Bobs Blick flackerte kurz zu ihm, dann sprach er: „Um euch mal reinen Wein einzuschenken“, leitete er ein und Peter blickte ihn neugierig, aber immer noch ärgerlich an. Würde er nun endlich erfahren, was da los war?

„Ich werde die Ferien nicht mit euch verbringen können. Meine…“ Bob stockte und Peter fühlte sich als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Bob konnte nicht die Ferien mit ihnen verbringen? Das war noch nie vorgekommen. „…Liebste und ich möchten mehr voneinander haben.“ Bob blickte im Raum umher, sah keinen von ihnen wirklich an. Dann wuschelte er sich durch die Haare. Seine Stimme klang überzeugend, aber seine ganze Gestik passte Null dazu.

„Ich habe mein Handy natürlich dabei, weiß aber nicht, wie oft ich zum Schreiben komme.“ Er lachte kurz auf, dann wandte er sich unter Peters fassungslosem Blick ab. „Wir sehen uns dann im Wohnheim wieder.“ Er hob die Hand und wandte sich einem Ausgang zu. Peter war so betroffen, dass er keinerlei Reaktion zeigen konnte. Bob verließ sie. Warum verließ Bob sie? Wegen einer Freundin? Peter verstand die Welt nicht mehr.

„Bob!“ Es war Justus, der den Namen seines Freundes voller Besorgnis sanft ausgesprochen hatte. „Was ist los? Du kannst uns alles sagen.“ Der Blonde hatte innegehalten, wandte sich ihnen nun zu. Das Lächeln auf seinen Zügen wankte, verzerrte sich und blieb wie eine Maske auf Bobs Gesicht haften. Er schien etliche Momente mit sich zu ringen, dann atmete er tief durch und drehte sich noch mal vollständig zu ihnen um. Sein Blick huschte zu Justus. „Bitte sagt einfach nichts mehr.“

Peter zog die Brauen kraus. Was war das denn nun? Ihr Freund blickte Justus ernst an. „Pass auf Peter auf, Erster.“ Peter war vollends verwirrt. Was sollte das? Wieso verabschiedete sich Bob auf diese Art von ihnen? „Und auf alles andere auch“, fügte er hinzu und machte eine Geste durch den Raum. Dann trat Bob auf Justus zu und umarmte ihn.

Für Peter wurde das alles immer wunderlicher. Sein Mund hing einen Moment später offen, als Bob sich nach vorne lehnte und Justus einen kurzen, kräftigen Kuss auf den Mund drückte. Peter sah, dass sich auch Justus’ Stirn sofort irritiert runzelte, sein Mund öffnete sich. „Bob, was-“ „Keine Fragen“, unterbrach der seinen Freund. „Ich melde mich.“

Und dann richteten sich die blauen Augen auf ihn und Peter wusste gar nichts mehr. Es war als würde ein wilder Sturm in den Augen seines Freundes wirbeln, als er nun auf ihn zutrat. „Peter.“

Warum klang seine Stimme so gebrochen? „Bob, was-?“ Doch sofort schüttelte Bob seinen Kopf, seine Locken wirbelten. „Sag bitte nichts. Gar nichts.“ Peter nickte, doch blickte er voller Sorge zu seinem Freund. Den schien eine seltsame Entschlossenheit gepackt zu haben. Peter dachte, er würde auch eine Umarmung kriegen, doch stattdessen umfasste Bob in einer unfassbar sanften Geste mit beiden Händen sein Gesicht. Peter hatte tausend Fragen, doch er schwieg, spürte nur unzählige Emotionen in seinem Innern.

Und dann lehnte Bob sich vor. Peter erwartete den kurzen kräftigen Schmatzer, den auch Justus gekriegt hatte. Doch nichts an dem, was folgte war kurz oder kräftig. Stattdessen legten sich Bobs Lippen sanft auf die seinen, bewegten sich in einer Zartheit, dass Peters Mund sich vor Verblüffung öffnete. Bobs Augen waren geschlossen und- Peter erstarrte.

Eine Zunge schlüpfte in seinen Mund. Instinktiv schloss Peter die Augen, erwiderte den Kuss, der mit jeder Sekunde drängender, intensiver und irgendwie verzweifelte wurde. Und dann waren die Lippen plötzlich weg und Peters Augen flogen auf, starrten schockstarr seinen Freund an, der ihm ebenso aufgewühlt entgegenblickte. Ein tiefer Atemzug glitt durch Bobs Lippen, die sich daraufhin bewegten, ohne einen Laut von sich zu geben. Peter starrte darauf, erkannte drei Worte, die er doch nicht glauben konnte: Ich liebe dich.

Bevor er auch nur einen weiteren Atemzug tun konnte, geschweige denn hätte fragen können, was los war, wirbelte Bob herum und verließ die Zentrale durch das Kalte Tor, deren Tür mit einem Krachen ins Schloss fiel.

Donnerndes Schweigen erfüllte den Raum, in dem für einen Moment die Zeit stehen geblieben war. Alles schien wie eingefroren, erstarrt, leblos und versteinert zu sein. Dann entlud sich die angestaute Spannung. „J-j-Just?“ Peter stotterte, war zu mehr nicht fähig als den Namen seines Freundes auszusprechen. „Ist - das - wirklich - passiert?“

Fassungslos wandte Peter den Blick vom geschlossenen Kalten Tor, durch das Bob entschwunden war, zu seinem Freund, der noch immer an der Stelle stand wie wenige Sekunden zuvor. „Falls du meinst, ob es wirklich passiert ist, dass unser Freund Bob sich von uns auf äußerst ungewöhnliche Art und Weise verabschiedet hat, dann ja.“

Ungewöhnlich?“ Peter quiekte beinahe hysterisch das Wort. „Falls es dir entgangen sein soll, Bob hat mich geküsst. Und das nicht nur mit einem Bussi, sondern einem Zungenkuss. Z-U-N-G-E-N-K-U-S-S. Soll ich dir das buchstabieren?“ „Nicht nötig, Peter. Im Gegensatz zu dir funktioniert mein Gehirn noch vollkommen einwandfrei.“

Peter glotzte ihn an wie ein Fisch. Dann fragte er leicht höhnisch: „Und was sagt dein Hirn zu der Tatsache, dass Bob mich so geküsst hat, ganz zu schweigen von“ Peter hielt inne. „…dem Lippenbekenntnis.“

Nun blickte ihn Justus interessiert an. „Das habe ich nicht gesehen. Was sagte er?“ Peter atmete einmal tief durch, dann brach es aus ihm heraus: „Ich liebe dich.“

Justus stellte nüchtern fest: „Das freut mich zu hören, Zweiter. Ich wollte aber wissen, was Bob sagte.“ Peter stöhnte. „Das war es, was Bob sagte.“ „Oh!“, entwich es Justus verblüfft. Justus’ Reaktion minderte Peters Hysterie keineswegs. In hoher Tonlage verkündete er: „Ja, oh! Just, was sollte das? Erst küsst mich Bob als wäre ich sein…“ Peter wurde rot. „…Liebhaber und erklärt mir im Anschluss seine Liebe.“

„Das ist der einfache Teil“, konstatierte Justus. „Wie bitte?!“ Peters Stimme erreichte eine neue Frequenz. Justus sprach ruhig: „Viel spannender ist die Frage, was Bob dazu bewogen hat, heute so zu handeln. Und dann auch noch mit dieser seltsamen Verabschiedung. Bobs Worte waren hoch emotional und die Anweisung nichts zu sagen, erscheint mit ebenfalls äußerst verdächtig.“

„Justus!“, keifte Peter ihn an. „Das ist mit alles gerade schnurzpiepegal. Erklär mir, warum Bob das gemacht und gesagt hat. Danach kann ich mich vielleicht um deine Fragen kümmern.“ Justus seufzte schwer. „Nun gut. In Anbetracht der Umstände ist es wohl von Nöten, dass wir uns erst der emotionalen Seite dieses Ausbruchs widmen.“ „Wie gnädig“, murmelte Peter ironisch, doch Justus überging es.

„Setzen wir uns“, wies der Erste Detektiv an, was Peter nur widerwillig befolgte. Er wusste nicht, woher er die Ruhe zum Sitzen nehmen sollte. Er sah Justus abwartend an, der nun tief Luft holte und dann verkündete: „Bobs Verhalten dir gegenüber lässt sich ganz einfach erklären.“ Selten hatte Peter so gebannt an den Lippen seines Freundes gehangen wie in diesem Moment. „Bob liebt dich und wollte dich das wissen lassen. Da dies nun geklärt ist, können wir“ „Just!“, unterbrach ihn Peter quengelig.

„Peter?“, gab der verwirrt zurück. „Wieso lieben? Was meinst du damit?“, fragte Peter, der immer noch überhaupt nicht wusste, was Justus ihm damit sagen wollte. Sein Freund seufzte lautstark. „Dann also für die ganz Langsamen.“ Er atmete tief durch.

„Bob ist seit vier Jahren in dich verliebt. Er hat versucht es zu verbergen, war damit aber nur mäßig erfolgreich. Bevor du fragst: Er hat nie ein Wort zu mir gesagt. Aber er war dahingehend selten unauffällig. Mich wundert es, dass es dir entgangen ist, bist du doch auf all seine Aktionen eingestiegen oder hast sie zum Teil auch selbst initiiert. Daher“ Peters Mund hing offen. „Bitte was?“, unterbrach er seinen Freund. „Just, wovon redest du? Ich bin noch mitgekommen bist zu dem Punkt, dass Bob in mich verliebt sein sollt. Allein das wirft schon hundert neue Fragen auf. Bob, der in mich verliebt ist?“ Peter klang vollkommen ungläubig. „Das ist doch ein Scherz. Das hätte ich doch bemerkt. Wir sind beste Freunde.“

„Ach ja?“, fragte Justus nun eine Spur herablassend. „Was soll das?“, fuhr Peter ihn emotional an. „Ich kenne diesen Ton. Lass den stecken, Just. Ich brauche deine unvoreingenommene, uneingeschränkte Hilfe und nicht den ewigen Besserwisser, der die Lösung vor allen anderen kennt.“ Er funkelte seinen Freund an. Der erkannte offenbar seine Not, denn er atmete tief durch und sprach dann leicht reuevoll: „Entschuldige, hast ja recht.“ Er straffte sich. „Also ja, ich bin mir sicher, dass Bob in dich verliebt ist.“

„Woran machst du das fest? Und von welchen Aktionen sprachst du?“, hakte Peter nach. „Hinweis Nummer Eins“ „Bitte keine analytische Aufzählung“, stöhnte Peter, doch Justus ging nicht darauf ein. Es war wohl der Preis, den Peter für die Informationen zahlen musste.

„Bob schaut dich an. Lange und viel, egal was du machst. Aber vor allem, wenn du es nicht bemerkst. Lange, traurige Blicke, die voller Melancholie sind. Und sobald du ihn ansiehst, lächelt er.“ Ohne es zu merken, lächelte nun auch Peter. "Bob hat ein schönes Lächeln, das er gerne einsetzt, aber wenn er dich anlächelt, strahlt sein ganzes Gesicht wie bei niemandem sonst.“ Peter hing gebannt an seinen Lippen, konnte nicht glauben, dass es so war, aber seine Erinnerung an all die Momente, wo er das Zentrum von Bobs Lächeln gewesen war, bestätigte ihm den Wahrheitsgehalt von Justus’ Worten.

„Hinweis Nummer Zwei“ Inzwischen war Justus’ analytische Art Peter vollkommen egal, er wollte einfach nur noch mehr wissen. „Bob fasst dich an. Viel, eigentlich immer, sobald ihr auch nur in anfassbarer Nähe voneinander seid. Er legt eine Hand in deinen Rücken, einen Arm um dich, hält deine Hand, legt seinen Kopf an deine Schulter und du…“ Justus blickte ihn kurz direkt an, dann sprach er weiter.

„…du erwiderst. Du kraulst sein Haar, ziehst ihn auf deinen Schoß, manchmal auch seinen Kopf auf deinen Schoß, legst einen Arm um ihn, ziehst ihn zu dir, küsst seine Fingerknöchel… soll ich fortfahren?“ Peter war rot wie eine Tomate geworden. Wenn Justus das so aufzählte… es klang sehr nach etwas, das eher Verliebte tun würden. Aber… Peter runzelte die Stirn. So war es nie gemeint gewesen. Oder doch?

Es gab niemandem mit dem er so umging wie mit Bob; niemanden mit dem er so viel Körperkontakt wollte und initiierte. Es war so selbstverständlich und so schön. Selbst das Küssen der Fingerknöchel. Das war eigentlich aus seinem Scherz heraus entstanden. Bob hatte es sich irgendwann angewöhnt, seine Fingerknöchel knacksen zu lassen. Da das nicht gesund war, hatte Peter ihn davon abhalten wollen, indem er sie küsste.

Das hatte er dann irgendwann immer getan, sobald Bob seine andere Hand so positionierte, dass er sie knacksen lassen wollte. Es war zu einem adäquaten Mittel geworden, Bob davon abzuhalten. Und als er es sich schließlich abgewöhnt hatte, hatte Peter… dem stockte nun der Atem, als es ihm klar wurde… einfach weiter gemacht. Wann auch immer Bobs Hände irgendwie seine Aufmerksamkeit erregt hatten, hatte er sie sich geschnappt und die fünf Knöchel eines jeden Fingers mit einem kleinen Kuss bedacht.

„Hinweis Nummer Drei“, riss ihn Justus’ Stimme aus seiner inneren Fassungslosigkeit. „Bobs plötzliche Stimmungsschwankungen.“ Irritiert sah Peter ihn an. Was meinte Justus denn nun damit? „Bob ist in der Regel ein ruhiger, ausgeglichener Mensch, der nachdenkt bevor er handelt und seine Aktionen genau abwägt. Er ist zwar insgesamt ein optimistischer und kommunikativer Mensch, doch ist er nur zu einem gewissen Grad offen. Gerade seine tieferen Emotionen hütet er wie seinen Augapfel. Daran lässt er niemanden, auch uns, nicht teilhaben. Erst wenn der Leidensdruck hoch genug ist, vertraut er sich anderen an. Daher sind seine plötzlichen Stimmungsschwankungen umso bemerkenswerter, weil sie deutlich zeigen, dass er emotional hoch involviert ist. Diese treten in der Regel besonders dann deutlich zu Tage, wenn andere Parteien Interessen an dir bekunden.“

Peter stöhnte. „Just, bitte. Sag mir konkret, was du damit meinst. Beschreibende Floskeln helfen mir da nicht weiter.“ Justus führte ohne mit der Wimper zu zucken aus: „Wenn jemand mit dir flirtet, wird Bob wütend. Wenn jemand dich charmant anlächelt, wird Bob sauer. Wenn du früher Kelly erwähnt hast, hätten Bobs Blicke töten können. Und wenn du heute von Jeffrey erzählst, habe ich jedesmal Sorge Bob würde gleich einen Zahn verlieren so feste wie er seine Kieferknochen aufeinander presst. Verstehst du?“

Peter starrte Justus an. „Du meinst, Bob ist eifersüchtig?“ „Messerscharf kombiniert, Zweiter“, kam es so dröge, dass Peter seinen Freund finster anstarrte. Erst dann war er in der Lage, die Bedeutung der Worte auch wirklich zu erfassen: Bob war eifersüchtig; eifersüchtig auf ihn, weil er in ihn verliebt war. Es war zu viel, um es wirklich zu begreifen.

Doch da durchschnitt Justus’ Stimme schon wieder das Chaos in seinem Kopf. „Hinweis Nummer Vier: Bobs Euphorie.“ „Euphorie?“, fragte Peter skeptisch. „Du weißt schon, dass Bob von der ruhigen Sorte ist. Euphorie ist eher mein Gebiet.“ Justus schmunzelte. „Das stimmt schon, aber Bob zeigt bei keinem anderen Menschen solch eine Freude wie bei dir. Wenn du ihn anlächelst, lächelt er auf eine Weise zurück, die sonst niemand zu sehen kriegt. Über deine Witze und Anmerkungen lacht Bob am meisten, obwohl sie objektiv betrachtet, nicht unbedingt die witzigsten sind.“

„Das sagst du nur, weil er über meine Witze mehr lacht als über deine“, neckte Peter. „Und da Bob ebenso geistreich ist wie ich, müsste er mehr über meine lachen, aber da er es nicht tut, beweist das meinen Punkt. Danke dir, Peter.“ Justus holte tief Luft, Peter sah ein wenig bedröppelt drein, und Justus fuhr fort: „Deine Erfolge freuen ihn an meisten. Egal ob im Studium oder beim Sport - Bob freut sich in einem Ausmaß mit dir, dass es schon beinahe grotesk anmutet. Wenn wir dich im Stadion sehen, steht er den Freundinnen der anderen Spieler in nichts nach. Nie erlebe ich Bob so aufgekratzt und hibbelig wie bei deinen Spielen. Seine Augen kleben an dir, verfolgen jede Bewegung und er jubelt in einem Ausmaß, feuert dich mit lauten Rufen an, dass es mir zeitweise schon beinahe peinlich war mit ihm dort zu stehen.“

Peter wurde ganz warm bei diesen Worten. Zumal er tatsächlich die besten Leistungen zeigte, wenn Bob anwesend war. Immer wieder blickte er während eines Spiels zu ihm, spürte sein Mitfiebern, seine Unterstützung und schwebte regelrecht über den Platz, wenn er wusste, dass Bobs Augen unentwegt auf ihn gerichtet waren. Er mochte es, wenn die blauen Augen auf ihm ruhten, wenn Bobs Lächeln nur ihm galt, wenn Bobs Rufe der Begeisterung bis an sein Ohr drangen, wenn- „Und damit kommen wir zum fünften und letzten Hinweis: Bobs Erregung.“

Krachend riss ihn diese Äußerung in die Realität zurück. „Bitte was?“, sprudelte es aus Peter hervor. Justus lächelte ihn beinahe ein wenig mitleidig an. „Wir sind alles erwachsene gesunde Männer, Peter. Unser Sexualtrieb ist normal ausgeprägt, da sollte es dich nicht verwundern, dass Bobs romantische Liebe zu dir auch eine sexuelle Komponente enthält.“

„Aber… aber…das… also…du meinst…???“ Peter kam überhaupt nicht mehr klar mit den Implikationen. „Wenn du fertig bist, deine Sprachlosigkeit mit einzelnen, sinnlosen Wörtern abzuarbeiten, würde ich das gerne näher darlegen.“ Peter schnappte empört nach Luft, doch dann hob er die Hände und gab sich geschlagen. Es hatte keinen Zweck mit Justus zu streiten. Zumal es keinen Bob gab, der sie beide wieder hätte besänftigen können. Peters Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Bob.

„Bob versucht sein Begehren wie auch seine Gefühle zu verstecken.“ Dieser Satz riss Peter effektiv aus seinen Gedanken. Er blickte Justus an, wusste wirklich nicht, ob er das hören wollte. Aber es faszinierte ihn auch maßlos. Und so blieb er stumm, lauschte einfach den Worten seines Ersten.

„Aber wie er auch immer wieder liebende Blicke in deine Richtung schickt, gibt es ebenso jene, die darauf schließen lassen, dass Bob an etwas anderes denkt. Wenn du auf dem Spielfeld stehst und mit deinem Shirt dein Gesicht abwischst, kann ich 100.000$ darauf verwetten, dass Bobs Blick auf deine Bauchmuskeln rutschen wird. Wenn du hier in der Zentrale das Mikroskop von da oben holst, kleben Bob Augen an deiner Rückenpartie, verzugsweise an der Stelle, wo dein Shirt hoch rutscht. Wenn du deine Liegestütze machst, kriegt Bob keinen Bericht mehr fertig. Er kaut dann immer an diesem Stift…“ Justus griff nach besagtem Exemplar und zeigte den zutiefst malträtierten und abgekauten Bleistift.

„… und seine Augen sind von deinen Oberarmen nicht mehr wegzukriegen. Zudem ist Bob im letzten Jahr jeder Gelegenheit ausgewichen, mit uns zusammen nackt zu sein. Mussten wir duschen, fand er eine Ausrede, vor oder nach uns zu gehen. Beim Schwimmen trägt er neuerdings stets diese super weiten Volley-Shorts, die überhaupt nicht zu seiner schlanken Statur passen und ihm einen deutlich größeren Hintern verpassen; etwas, das Bob, der wie wir wissen durchaus eitel ist, niemals anziehen würde; hätte er nicht gewichtigere Gründe.“ Justus sah Peter deutlich an. Der schluckte. „Du meinst…“ „Ja, unser lieber Bob kriegt regelmäßig Erektionen bei deinem Anblick.“

Peter war froh, dass er seine Limo längst geleert hatte, sonst hätte er diese nun prustend über dem Zentralenboden verteilt. Er war vollkommen perplex. „Aber… Just…“ Er sah seinen besten Freund an. "Wie konnte mir das alles entgehen? Bob ist mein bester Freund. Wie konnte ich das nicht merken?“

Auch darauf hatte Justus eine Antwort. „Weil es sich entwickelt hat. Es ist vollkommen organisch gewachsen und die Unterschiede wurden erst über einen Zeitraum immer deutlicher.“ „Aber du hast es bemerkt“, stellte Peter eine Spur eingeschnappt fest. „Weil mir wenig entgeht. Und ich bin ja auch nicht beteiligt.“

Peter schnaufte und schob sich einige Haare aus der Stirn. „Oh man. Das muss ich erst mal verkraften.“ Justus’ Hand legte sich auf seine Schulter. „Das glaube ich dir. Dennoch möchte ich dich bitten, nun, wo wir geklärt haben, warum Bob dich geküsst hat, endlich zu dem kommen, was viel drängender ist: Warum Bob sich von uns auf diese Weise verabschiedet hat. Denn in einem können wir uns wohl sicher sein: Das Verhalten unseres Freundes war mehr als ungewöhnlich. Irgendetwas belastet ihn stark und wir müssen herauskriegen was es ist.“

Peter sah ihn zweifelnd an „Aber ist das klug, Just? Bob hat doch sicherlich einen guten Grund so zu handeln. Meinst du nicht, er würde uns einweihen, wenn er könnte?“ Justus nickte und ließ die Hand von Peters Schulter sinken. „Genau das ist der Punkt: Er kann es nicht. Und wir werden ihn nicht im Stich lassen. Wir sind die drei ???.“

Peter blickte Justus sanft an. Damit hatte er natürlich recht. „Wie gehen wir vor, Erster?“, fragte Peter tatkräftig und freute sich über das kleine Schmunzeln des anderen, das deutlich zeigte, dass er Peters Sinneswandel willkommen hieß. „Wir stellen zusammen, was Bob in den letzten zwei Wochen an ungewöhnlichen Verhaltensweisen gezeigt hat und versuchen darüber Rückschlüsse zu ziehen. Zudem analysieren wir seine Abschlussworte an uns, denn darin steckte mehr als auf den ersten Anblick ersichtlich war.“

Peter seufzte. „Noch mehr? Mir hat das Liebesgeständnis samt Zungenkuss vollkommen gereicht.“ Justus ging nicht weiter darauf ein. „Beginnen wir mit der Analyse seiner Worte. Er sagte zu mir, ich solle auf dich aufpassen und auf alles andere auch. Dabei deutete er in der Zentrale umher. Wieso sollte Bob das sagen?“ „Als könnte ich nicht selbst auf mich aufpassen“, murmelte Peter.

„Genau das! Du bist der Sportlichste von uns. Das weiß auch Bob. Wenn er sagt, ich solle auf dich aufpassen, muss das in anderem Sinne gemeint sein: Dass ich dich davon abhalten soll, etwas Dummes zu tun.“

Peter runzelte die Stirn. „Aber ich bin der Ängstliche von uns. Ich tue nichts Dummes.“ „Außer jemand ist in Gefahr“, gab Justus zu bedenken. Peter sah ihn alarmiert an. „Du meinst, Bob ist in Gefahr?“

Justus seufzte. „Genau das ist die Frage. Die Ausrede mit der Freundin können wir wohl getrost als Unsinn abtun. Bob ist seit unserem zweiten Tag hier so seltsam. Wir waren am ersten Tag zusammen.“ „Nur abends nicht“, gab Peter zu bedenken. „Da war Bob bei diesem Konzert.“ „Richtig. Also muss dort etwas vorgefallen sein, dass diese Änderungen bewirkt hat.“

Peter amtete lautstark aus. „Aber was?“ Justus warf ein: „Ebenso wichtig ist die Frage, wo er ist.“ Peter nickte nachdenklich. „Er wird es uns wohl kaum verraten, wenn wir ihm eine Nachricht schicken.“ „Natürlich!“, rief Justus und zückte sein Handy. „Du willst ihm schreiben?“, wollte Peter wissen.

„Natürlich nicht. Ich will ihn orten“, gab Justus knapp zurück. Peter starrte ihn an. „Du kannst unsere Handys orten?“ „Natürlich. Alles andere wäre bei unserer Berufswahl fahrlässig.“ Peter verstummte und ließ Justus seine Arbeit machen. Wenige Momente später sprach er triumphierend: „Bingo. Bob ist in Beverly Hills in der Freedom Road Nummer 41.“ Peter zog die Stirn kraus. „Was will der denn in dem Villen-Viertel?“ „Genau das werden wir morgen früh rauskriegen.“

???

Peter hatte in der Nacht zuvor kaum ein Auge zubekommen. So viele Gedanken und Gefühle waren in seinem Inneren aufgekommen und doch war er auch am nächsten Morgen nicht schlauer, nur unausgeschlafen. Die Tatsache, dass Bob ihn lieben sollte, wollte ihm nicht in den Kopf.

Natürlich stimmte jede von Justus’ Beobachtungen, aber das hieß nicht, dass Peter das Ausmaß oder gar die Tragweite begriff. Und erst recht wusste er nicht, wie er dazu stand. Liebte er Bob genauso? Es war jene Frage, die ihn umgetrieben, keinen Schlaf hatte finden lassen. Nach seiner gescheiterten Beziehung mit Kelly, bei der inzwischen seit drei Jahren Schluss war, hatte er nie wieder das Bedürfnis nach einer Freundin gehabt. Kelly hatte ihn dahingehend irgendwie geschädigt, zumindest hatte er es sich so erklärt.

Nie hatte er daran gedacht, dass es vielleicht daran lag, dass er (auch?) auf Männer stand. Oder stand er einfach auf Bob? Peter hatte keine Ahnung. Er wusste nur, dass der Kuss, so überraschend er auch gewesen, eine Wucht gewesen war. Und hätte Bob ihn gefragt, ob sie es wieder tun könnten, hätte er ohne zu zögern, Ja gesagt. Machte ihn das schwul? Peter schwirrte auch an diesem Morgen noch der Kopf wegen eben jener Fragen.

Trotzdem schaffte er es pünktlich um 9 Uhr zur verabredeten Zeit auf dem Schrottplatz zu erscheinen, um seinen Freund abzuholen. Der ließ sich mit einem gut gelaunten „Guten Morgen, Zweiter“ auf den Beifahrersitz fallen. „Fahr los! Wir haben einen Fall.“ Der Zweite Detektiv konnte die Tatkraft des Ersten an diesem Morgen nicht nachempfinden und startete daher stumm seinen Motor, um zu der Adresse zu fahren, bei der Bob sich aufhielt.

„Ich habe gestern noch ein wenig recherchiert“, ließ Justus ihn wissen und die Tatsache, dass der Erste Detektiv die Aufgabe übernommen hatte, die sonst ihr Dritter machte, versetzte Peter einen heftigen Stich. „Das Haus in der Freedom Road wurde bis vor Kurzem zum Verkauf angeboten. Im Moment ist es von einem gewissen Jonathan Banks über den Sommer gemietet, soll aber danach wieder verkauft werden. Banks ist ein wohlhabender Geschäftsmann, der zahlreiche Häuser in der Gegend besitzt. Er ist Anfang sechzig, verheiratet. Ich konnte nichts in seinem Lebenslauf oder in seinen letzten Geschäften finden, das irgendwie verdächtig gewesen wäre. Wir müssen also schauen, was wir vor Ort vorfinden.“

Peter nickte geistesabwesend. Genau das bereitete ihm Sorgen: Was würden sie vor Ort vorfinden? Die nächsten fünfzehn Minuten vergingen in Schweigen, während Peters Sorge stetig wuchs. Er hatte da ein verdammt mieses Gefühl. „Da ist es gleich.“ Justus’ Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Routiniert bog Peter um die nächste Ecke, um dort im Schatten einiger Palmen seinen Wagen zu parken. Sein Herz klopfte schneller als gewöhnlich. Was würden sie nun entdecken? Er schüttelte die dunkle Vorahnung ab und stieg mit Justus aus. Sie liefen über den breiten Gehweg zur Freedom Road Nummer 41.

Wie alle Gebäude in der Gegend war auch dieses von einem hohen Zaun umgeben. Aber da es ein Eckhaus war, liefen Justus und Peter daran entlang. Der Zaun zog sich um die Ecke in die Länge, stieg leicht an auf einen kleinen Hügel, der in weite, trockene Landschaft führte. Justus blickte sich um. „Hier haben wir keine neugierigen Beobachter“, meinte er mit Blick auf die Landschaft. Nachbarn gab es nur weiter unten. Das war gut. Peter sah sich um. Irgendwie mussten sie einen Blick auf das Grundstück werfen. „Hier muss es doch was geben, auf das wir uns stellen können“, murmelte er. Da der Zaun lediglich zweieinhalb Meter hoch war, müssten sie mit einer entsprechenden Erhöhung darüber sehen können.

„Nicht nötig“, sprach da Justus und zog Peters Blick’ auf sich. Der wackelte gerade an einer der Zaunlatten. „Die hier sah deutlich morscher aus als die übrigen.“ Er ruckelte daran. „Wenn ich nur…“, keuchte er und intensivierte seine Bemühungen. „Warte, ich helfe dir.“ Der Zweite Detektiv schritt zur Tat.

Gemeinsam schafften sie es, die Latte zu lösen. „Schnapp du dir das Fernglas“, wies Justus an. „Deine Größe dürfte uns da zum Vorteil gereichen.“ Peter griff nach dem Fernglas, streckte sich noch ein wenig und schaute dann durch den Spalt im Zaun. „Wir haben Blick auf den Garten“, verkündetet er seine Entdeckung. „Das Haus ist nicht so groß wie erwartet, schön, aber schon etwas älter. Ich sehe eine Terrasse neben einem Pool. Da stehen Liegen. Und…“ Er stockte, schaute noch einige Male blinzelnd durch das Fernglas.

„Was denn?“, wollte Justus ungeduldig wissen. „Da ist Bob“, stellte Peter fest. Die blonden Locken würde er überall wieder erkennen. „Er liegt auf einer Liege und liest.“ „Ist er es wirklich?“, wollte Justus wissen. Peter entgegnete unwirsch: „Natürlich. Ich erkenne doch Bob.“

„Und der liegt da einfach uns liest?“, hakte Justus nach. „Wenn ich es dir doch sage“, gab Peter genervt zurück. „Offenbar macht er Urlaub.“ „Ach Quatsch“, unterbrach ihn Justus. „Bob macht doch keinen Urlaub hier in Beverly Hills, das wäre doch“ „Da kommt noch jemand“, unterbrach Peter Justus’ Äußerungen. "Eine Frau“, entwich es Peter überrascht. Hatte Bob doch nicht gelogen wegen seiner Freundin?

„Sie trägt einen Bademantel und läuft zu ihm“, verkündetet Peter atemlos seine Beobachtungen. "Sie legt den Bademantel ab. Will wohl schwimmen. Sie“ Peter zuckte nach unten, kauerte sich schlagartig zu Justus, während ihm das Fernglas aus der Hand gefallen war.

„Zweiter, was soll das denn? Das ist ein empfindliches Gerät, das“ Als Peters Hand Justus’ Unterarm krampfhaft umgriff, verstummte der, blickte zu seinem Freund, der blass und beinahe erstarrt vor sich hinsah. Er zitterte. „Peter? Was ist los?“ „Sieh hindurch“, sprach Peter mit bebender Stimme. „Was soll das, Zweiter? Du kannst mir wohl mitteilen, was du“ „Sieh durch das Fernglas, Just.“ Die Stimme seines Freundes war so durchdringend, dass Justus es einfach tat.

Er nahm das Fernglas und spähte durch den Spalt im Zaun. Seine Augen brauchten eine Moment, bis sie die Terrasse durch das Glas ins Visier genommen hatten. Da lag in der Tat Bob auf einer Liege. Er las, doch ruhten seine Augen auf der Person im Pool. Da schwamm jemand, hin und her, schien sich dennoch mit Bob zu unterhalten, denn hin und wieder bewegte er den Mund. Doch war da keine Freude in seinem Gesicht. Er wirkte so ernst und angespannt. Dann kam die Frau aus dem Pool, trocknete sich ab und als sie sich ein Stück drehte, erkannte auch Justus sie.

„Ist das…“ Er verstummte, schaute noch einige Momente hindurch. Dann ließ er sich neben Peter am Lattenzaun hinabsinken, bis sie beide nebeneinander saßen.

Ein schweres Seufzen entlud sich synchron ihren Lippen. Dann sprach Justus jene Gewissheit aus, die beide doch nicht wahrhaben wollten: „Clarissa Franklin.“

???

Fortsetzung folgt…