Work Text:
Bucky war gerade erst damit fertig geworden, die Informationen vorzutragen, die Sam mit ihm geteilt hatte, da meldete sich auch schon der erste seiner Teamkameraden zu Wort.
„Das Wetter kam mir die ganze Zeit über nicht … richtig vor“, bemerkte Walker.
„Ach!“ Yelena schnaubte amüsiert. „Bisher hast du das schlechte Wetter doch immer Zemo in die Schuhe geschoben.“ Sie grinste breit.
Das Grinsen verging Yelena jedoch schnell, als sie Buckys wütenden Blicks gewahr wurde, der ihr unmissverständlich klarmachte, dass sie sich gerade verplappert hatte.
„Zemo?“ Avas Gesicht zeigte Verwirrung. Natürlich wusste sie, wer Helmut Zemo war, aber sie konnte den Mann ganz bestimmt nicht mit der Mission in Verbindung bringen, über die das Team gerade informiert worden war. Das war aber nicht weiter verwunderlich, denn erstens war dies tatsächlich nicht der Fall und zweitens gehörte sie nicht zu denen, die über die Anwesenheit des Barons Bescheid wussten.
Avas Verwirrung wurde noch größer, als niemand etwas sagte. Aber sie ließ sich nicht so leicht abbringen, wenn sie etwas wissen wollte. „Was hat Walker mit Zemo zu tun?“, hakte sie nach.
„Ich … hatte mit ihm in Riga zu tun“, erklärte John nach kurzem Zögern.
„Das war vor wie vielen Jahren? Vier?“ Ava war mit seiner Erklärung ganz offensichtlich nicht zufrieden. Bucky kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie keine Ruhe geben würde, bis sie der Meinung war, die Wahrheit herausgefunden zu haben.
Für einen Moment erwog er tatsächlich, sie einzuweihen, entschied sich dann aber dagegen. Nachdem er noch einmal einen finsteren Blick in die Runde geworfen hatte – sein Versuch, Yelena und vor allem Walker klarzumachen, dass sie den Mund zu halten hätten –, kehrte er zu dem zurück, worüber sie zuvor gesprochen hatten.
„Captain America hat mir versichert, dass die Daten korrekt sind. Shuri hat sie noch einmal überprüft. Sie ist auch der Meinung, dass das aktuelle … Wettermuster nicht natürlichen Ursprungs ist. Jemand muss nachgeholfen haben. Unsere Aufgabe besteht nun darin, die Verantwortlichen ausfindig zu machen und sie auszuschalten. Unser Team wird durch Wilson, Torres und Shuri Verstärkung erhalten“, beendete er schließlich seine Ausführungen.
„Wir sind die New Avengers! Wir brauchen keine Verstärkung“, erklärte Alexei in seinem gewohnten Tonfall. Er tat so, als hätten Sam und seine Leute sie in den letzten Monaten nicht schon öfter unterstützt.
„Shuri kommt mit, für den Fall, dass moderne Technik eingesetzt wurde. Wilson und Torres sind dabei, weil sie es schon gewohnt sind, mit uns zu arbeiten.“ Bucky war es leid, immer wieder erklären zu müssen, wieso Captain America sie unterstützte. Wenn er ehrlich war, gefiel ihm die jetzige Situation auch nicht besonders gut. Das lag vor allem daran, dass er immer noch nicht herausgefunden hatte, was Sam dazu bewogen haben könnte, seine Meinung über die New Avengers zu ändern. Eigentlich sollte er sich nicht beschweren, denn er hatte sich schließlich gefreut, als Sam auf ihn zugekommen war. Wenn er nur nicht so ein …
Bucky konnte einfach nicht in Worte fassen, was er in diesem Zusammenhang fühlte.
Es gab allerdings doch etwas, das ihm aufgefallen war. Aber auch in diesem Fall wusste er nicht, was er davon halten sollte, dass John in letzter Zeit bei jeder Erwähnung von Sam verstummte. Bucky wunderte sich, dass das Team noch nichts gesagt hatte. Oder war es ihnen einfach noch nicht aufgefallen? Jetzt hatte Yelena jedoch Avas Neugier mit ihrer Bemerkung über Zemo geweckt. Das war nichts, was Bucky jetzt gebrauchen konnte.
Er hatte sich wirklich auf eine Mission ohne Einbeziehung von Zemo – in welcher Art auch immer – gefreut.
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„So habe ich mir mein Ende nicht vorgestellt“, schrie John, um das laute Geräusch des heftigen Regens zu übertönen. „Ich habe ja nichts gegen ein bisschen Regen, aber das hier empfinde ich als übertrieben.“
Bucky musste ihm tatsächlich zustimmen. Er war auch nicht begeistert, diesem sintflutartigen Regen ausgesetzt zu sein, aber er hatte schon Schlimmeres überstanden. Er hatte sich jedenfalls vorgenommen, sich nicht vom … Wetter unterkriegen zu lassen.
Trotzdem hätte er nichts dagegen, ins Trockene zu kommen. Wenn er sich nicht sehr irrte, befand sich nicht weit von ihnen entfernt ein Gebäude. Er konnte in dem Regen zwar nichts erkennen, aber sein Orientierungssinn war ziemlich gut.
Er berührte Walker leicht an der Schulter, um dessen Aufmerksamkeit zu erregen – ohne dabei wie ein Angreifer zu wirken – und zeigte dann in die Richtung, in die sie sich seiner Meinung nach bewegen sollten.
John nickte, aber anstatt sich in Bewegung zu setzen, neigte er sich so weit in Buckys Richtung, bis er ihm nahe genug war, um ihm etwas mitteilen zu können, ohne schreien zu müssen. „Mein Vorschlag wäre dreißig Grad nach Westen.“
Bucky konnte nicht verhindern, dass er den anderen Mann ungläubig anstarrte. Der schien sich daran aber nicht zu stören. Was vielleicht damit zu tun hatte, dass er sehr sicher wirkte. Bucky fiel auf einmal ein, dass Walker sich selten irrte, wenn es darum ging, sich in fremdem Gelände zurechtzufinden. Vorausgesetzt, er hatte sich auf die entsprechenden Missionen gut vorbereiten können. Es war davon auszugehen, dass er sich auch dieses Mal die Gelegenheit nicht hatte entgehen lassen, die Umgebung zu studieren, bevor der Regen dies unmöglich gemacht hatte.
„Das Versteck des Wettermachers?“, konnte Bucky sich die Frage nicht verkneifen.
Walker zuckte zwar zuerst mit den Schultern, antwortete dann aber doch: „Ich halte das für wahrscheinlich. Es sei denn, er oder sie kann nicht nur das Wetter kontrollieren, sondern hat sich auch noch Schwimmhäute und Kiemen wachsen lassen.“
Jetzt war es an Bucky zu nicken. Gleich darauf setzte er sich als Erster in Bewegung, wobei er sich dreißig Grad nach Westen hielt. Auch wenn er Probleme mit Walker als Person hatte, wusste er doch auch, dass er sich auf ihn als Teamkamerad immer verlassen konnte.
Er hoffte, dass der Rest des Teams ebenfalls gut vorankam. Leider waren Bucky und Walker bereits relativ früh von den anderen getrennt worden, als sie sich vor einem Mini-Tornado in Sicherheit bringen mussten.
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Bucky konnte sich nicht daran erinnern, was gerade eben passiert war. Vielleicht hatte er für einen Moment das Bewusstsein verloren. Auf jeden Fall wurde er sich seiner Umgebung … seiner Lage – unter irgendwelchen Trümmern verschüttet – erst bewusst, als er hörte, wie jemand seinen Namen rief.
Bevor er aber antworten konnte, spürte er, wie jemand – der Rufer? – begann, die Trümmer, die auf ihm lagen, wegzuräumen. Dann tauchte auch schon ein Gesicht über ihm auf … ein äußerst besorgtes Gesicht …
Walker?
„Bist du in Ordnung, Bucky?“, erkundigte sich der andere Supersoldat. Bucky stellte erstaunt fest, dass auch in seiner Stimme Besorgnis mitschwang, doch er konnte sich keinen Reim darauf machen.
Auch dieses Mal kam Bucky nicht dazu, etwas zu sagen, jetzt aber, weil Sams Stimme ertönte.
„John?“
Walker hielt für einen kurzen Moment in seinen Bemühungen inne, Bucky von Trümmern zu befreien, machte dann aber sofort damit weiter.
„Hier, Sam“, wies er Captain America den Weg.
„Bist du verletzt, John?“, wollte Sam Wilson wissen, und Bucky stellte fest, dass sein Freund wirklich besorgt klang. Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit verspürte Bucky Erstaunen und fragte sich, was hier los war.
Hatte er vielleicht eine Kopfverletzung erlitten und bildete sich das alles nur ein?
„Mir geht’s gut“, gab Walker zurück. Bucky wusste sofort, dass er verletzt sein musste, denn das waren Johns Standardworte, wenn etwas nicht mit ihm stimmte. „Wir müssen uns um Bucky kümmern, er wurde verschüttet.“
„Bucky?“ Sams Stimme kam jetzt von einer Stelle direkt neben Walker. Im nächsten Moment tauchte sein besorgtes Gesicht neben dem von John auf.
„Ich lebe“, grummelte Bucky.
„Das sagt er immer, wenn er verletzt wurde“, klärte John den Mann neben ihm auf, als wenn diesem das nicht bekannt sein müsste. In diesem Moment wurde Bucky klar, dass er vor Walker nicht hatte verbergen können, wie ungern er zugab, Hilfe zu benötigen.
„Was ist hier vorgefallen?“, erkundigte sich Sam, während er damit begann, ebenfalls Trümmer zu entfernen.
„Äh …“, begann John, stoppte dann aber, warf einen kurzen Blick über die Schulter und sprach erst danach weiter. „Es kann sein, dass ich … wütend geworden bin, als dieser … Wettermacher versucht hat, Bucky mit seinen Blitzen zu treffen.“
Seine Worte brachten Sam dazu, kurz zu lachen.
„Was ist mit dem Kerl?“ Bucky hatte tatsächlich für einen Moment vergessen, weswegen sie hier waren.
„Keine Sorge, Bucky“, teilte ihm Sam mit. „Der wird so schnell nichts mehr versuchen. Ich würde sagen, John hat ihm eine verpasst.“
Bucky runzelte die Stirn, denn das ergab für ihn keinen Sinn. „Er hat Blitze benutzt, um uns auf Abstand zu halten“, erklärte er Sam. Er wollte weitersprechen, doch ein Hustenanfall hinderte ihn daran, die Frage zu stellen, wie John an den Wettermacher herangekommen war. Alle seine vorherigen Versuche, ihn mit einem Wurf seines Schilds auszuschalten, waren nämlich gescheitert.
„Ich war wohl … ziemlich wütend“, gab Walker zu.
„So könnte man es ausdrücken, John“, mischte Sam sich ein. „Dein Anzug sieht aus, als hätte dich mehr als ein Blitz nur sehr knapp verfehlt. Wenn wir zurück sind, musst du dich unbedingt durchchecken lassen.“
Bucky fragte sich erneut, wieso Sam auf einmal so besorgt um Walker war. Was hatte sich im Verhältnis der beiden verändert? Er hatte eher den Eindruck gewonnen, dass sie sich in letzter Zeit noch mehr als zuvor aus dem Weg gegangen waren.
Er selbst machte sich allerdings auch Sorgen um John. Er wusste nur zu gut, dass der Mann dazu neigte, Hilfe abzulehnen, selbst wenn er sie dringend nötig hatte. Bucky hatte allerdings nicht vor, etwas zu sagen, denn Walker sah es nicht gern, wenn seine Teamkameraden ihrer Sorge Ausdruck verliehen. Und von Bucky wollte er das erst recht nicht hören.
Aber Sam hatte doch auch eine Vorgeschichte mit Walker. Oder war der Unterschied, dass es nicht Sam gewesen war, der John den Arm gebrochen hatte?
„Shuri sollte sich Buckys Arm ansehen … wegen der Blitze“, sagte Walker in diesem Moment, als wüsste er, dass Bucky gerade an seinen Arm gedacht hatte. Oder hatte er das etwa laut ausgesprochen?
Als die Trümmer alle zur Seite geräumt worden waren, wurde Bucky sich dessen nicht sofort bewusst. Deshalb war er völlig überrascht, als er plötzlich hochgehoben wurde. In einem Anfall von Panik versuchte er, sich loszureißen … allein auf die Beine zu kommen, aber die Arme, die seinen Körper umschlangen, hielten ihn so fest, dass er keine Chance hatte.
Doch plötzlich überkam Bucky eine solche Erschöpfung, dass er nicht mehr in der Lage gewesen wäre, sich allein fortzubewegen. Er dachte, dass es sicherlich nicht schaden konnte, einmal nachzugeben.
Dann schloss er die Augen.

