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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandoms:
Characters:
Language:
Deutsch
Collections:
Deutscher Fanfiktion Bigbang - Fic
Stats:
Published:
2012-12-18
Completed:
2012-12-20
Words:
21,579
Chapters:
5/5
Comments:
1
Kudos:
24
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3
Hits:
1,001

Outcast - SGA meets Castle

Summary:

Colonel John Sheppard erhält in Atlantis eine Nachricht, die ihn dazu veranlasst, Hals über Kopf zur Erde zurückzukehren. Währenddessen geschieht in New York ein Mord: Ein neuer Fall für Detective Kate Beckett und Richard Castle.

Chapter 1: Kapitel 1

Chapter Text

Titel: Outcast – SGA meets Castle
Autor: Saffier
Künstler: mella68
Beta: noctuabunda
Fandom: Stargate Atlantis (Staffel 4), Castle (Ende Staffel 1/Anfang Staffel 2) und ein bisschen Stargate SG1 (nach Staffel 10 und The Ark of Truth)
Genre: Crossover, Krimi, Episoden-AU (4x15 Outcast)
Charaktere: John Sheppard, Kate Beckett, Richard Castle, Dave Sheppard …
Wortanzahl: ca. 21.000 (4 Kapitel + Epilog)
Rating: ab 12
Anmerkungen: Diese FF ist für den deutsch_bigbang im Livejournal entstanden. Ab heute werde ich jeden Tag ein Kapitel posten, so dass alle 4 Kapitel + Epilog am 20.12. komplett sind. Vielen Dank an dieser Stelle an noctuabunda für das hervorragende Beta-Lesen und an mella68 für die zwei wunderbaren Fanarts

 

Kapitel 1

Regungslos saß Richard Castle, berühmter Krimiautor, im Pausenraum des 12. Reviers des NYPD und starrte aus dem Fenster. Er begleitete Detective Kate Beckett und ihr Team nun schon ein gutes Jahr bei ihren Ermittlungen. Aber noch nie hatte er solche langweiligen Tage erlebt.
Es war bereits Nachmittag, aber schon wieder war das einzige, wobei er die Detectives heute hatte beobachten können, die Büroarbeit. Wie man Berichte schrieb, konnte er nun so gar nicht für seinen nächsten Roman gebrauchen.
Gerade war sein neuester Roman „Heat Wave“ erschienen. Die Hauptperson des Romans, Nikki Heat, basierte auf Beckett. Dass Castle die hübsche Ermittlerin bei ihrer Arbeit begleiten durfte, lag an seinem guten Verhältnis zum Bürgermeister: Bei einer Pokerrunde hatte Castle ihn davon überzeugt, dass diese Art der Recherche die einzig richtige war. Nach der Langeweile heute allerdings war er sich da gar nicht mehr so sicher.
Leise seufzte Castle und stand dann langsam auf, um sich an der Espressomaschine, die er dem Morddezernat geschenkt hatte, einen neuen Espresso zu machen.

„Hey Castle!“
Erschrocken sah Richard auf und schaute Richtung Tür, wo die Stimme herkam. Am Türrahmen gelehnt stand Kate Beckett. Er hatte die braunhaarige Frau gar nicht kommen sehen.
„Gehen Sie nach Hause, hier können Sie sowieso nichts machen.“
Enttäuscht darüber, dass man ihn hier nicht brauchte, verzog er das Gesicht, aber innerlich war er glücklich darüber, endlich der Langweile entkommen zu können.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass Alexis auch bald nach Hause kommen würde. Vielleicht hatte sein Mädchen Lust, etwas mit ihrem alten Herren zu unternehmen.
„Gut ok, wir sehen uns dann morgen!“, verabschiedete Castle sich, stellte seine Tasse wieder zurück und verließ nach einem letzten lässigen Gruß in Richtung Ryan und Esposito das Revier.

„Der hat es gut!“
Detective Kevin Ryan schaute Castle hinterher, wie er in den Aufzug stieg und sich die Türen hinter ihm schlossen.
„Ich würde jetzt auch gerne nach Hause gehen. Diese Büroarbeit ist echt langweilig.“
„Stöhnt nicht, seid froh, dass in New York ausnahmsweise mal kein wild gewordener Kerl herumrennt und mordet“, wies Kate ihre beiden Kollegen zurecht.
Aber auch sie hatte Castle wehmütig hinterher geschaut. Es ging nun schon die ganze Woche so, dass keine neue Arbeit hereinkam. Zuerst war es eine willkommene Abwechslung, denn endlich war es ihnen möglich, die liegengebliebene Arbeit nachzuholen.
Leise seufzend machten sich die drei Detectives wieder an die Arbeit, die glücklicherweise immer kleiner werdenden Stapel an Akten abzuarbeiten.

Unterdessen beschloss Castle noch schnell in den nächsten Seven Eleven zu gehen, bevor er seinen Weg nach Hause fortsetzte. Martha würde heute Abend wieder unterwegs sein und so, wie er seine Mutter kannte, würde sie wieder irgendjemanden abschleppen und erst in den frühen Morgenstunden zurückkehren.
Also würde er die Zeit nutzen, mit Alexis einen gemütlichen Abend zu verbringen, mit Kochen und allem drum und dran. Er hatte einfach mal wieder das Bedürfnis nach einem reinen Vater-Tochter-Abend.
Er stand gerade an der Kasse an, da klingelte sein Handy. Eilig kramte er es aus seinem Jackett und nahm den Anruf an, ohne darauf zu achten, wer ihn anrief.
„Castle!“
„Beckett hier. Wir haben einen neuen Fall, wenn Sie mit wollen, dann seien sie in fünf Minuten im Revier.“
„Bin gleich da!“
Damit legte er auf. Kurz warf er noch einmal einen Blick auf seine Einkäufe in seinem Einkaufwagen.
Letztlich ließ er ihn einfach dort stehen und verließ den Laden unverrichteter Dinge und eilte ins Revier zurück, das zum Glück nicht weit vom Seven Eleven entfernt war.

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Erschöpft verließ John Sheppard den Besprechungsraum und wollte nur noch seine Ruhe haben. Ruhe vor dem aufdringlichen medizinischen Versorgungsteam, vor atlantischen Bürokraten und sogar vor seinen Kollegen. Vor vier Stunden waren sie von einer Rettungsmission zurückgekommen.
Eines ihrer Teams war in die Fänge der Wraith geraten und es war ihnen erst nach einem langen Feuergefecht und einigen wilden Explosionen gelungen, drei der vier Soldaten zu befreien und halbwegs unbeschadet zurückzukehren.
John hatte sich dabei einige Prellungen, eine Platzwunde am Kopf und zwei gebrochene Rippen zugezogen und wurde zu seinem Ärger von Jennifer Keller zunächst vom Dienst befreit.
Wenigstens wollte die Ärztin ihn nicht dort behalten, so dass er die Krankenstation eilig wieder verlassen hatte, nachdem er verarztet wurde.
Die anschließende Besprechung war danach aber alles andere als entspannend gewesen. Sie hatten einen sehr guten Soldaten nicht mehr retten können und das Wieso wurde lang und breit diskutiert. Staff Sergeant Hanson war ein hervorragender Kämpfer gewesen und es traf John jedes Mal aufs Neue, wenn er einen seiner Männer verlor. In solchen Augenblicken waren seine Gedanken oftmals bei der Familie des Gefallenen. Er musste daran denken, wie sie wohl reagieren würden, wenn plötzlich ein Offizier des US Marine Corps vor deren Tür stand und die Todesnachricht übermittelte.
Endlich erreichte er sein Quartier und freute sich schon auf eine ausgiebige Dusche. Aufgrund der Verbände musste er wohl vorerst mit einer Katzenwäsche vorlieb nehmen, aber das war immerhin besser als nichts.
Er hatte sein Quartier noch nicht ganz betreten, da erreichte ihn ein Funkspruch.
„Colonel Sheppard, bitte kommen Sie umgehend in den Kontrollraum!“
Seufzend drehte er wieder um und verließ ohne das gewünschte Resultat sein Quartier. Das war es dann wohl mit der Ruhe.
„Bin unterwegs Chuck, Sheppard Ende.“

 

„Was gibt es?“, fragte John, als er, so schnell wie es seine kaputten Rippen erlaubten, in den Kontrollraum geeilt kam.
„Wir haben eine Nachricht von der Erde für Sie, es scheint wohl dringend zu sein.“
„Zeigen Sie her“, verlangte John und beugte sich leicht zum Laptop, an dem der Techniker saß.
Dieser öffnete eilig eine Datei und machte dann Platz für den Colonel, damit er die Nachricht lesen konnte, ohne gestört zu werden.
John setzte sich auch gleich auf den freigewordenen Stuhl. Obwohl er es wohl niemanden gegenüber zugeben würde, bereiteten ihm die gebrochenen Rippen doch einige Schmerzen, so dass er froh darüber war, nicht mehr leicht gebeugt vor dem Pult zu stehen.
Mit jedem Wort, das er las, wurde sein Gesicht immer blasser und hätte er nicht schon gesessen, hätte er spätestens jetzt Platz nehmen müssen.
Die Nachricht erschütterte ihn mehr, als er gedacht hätte und ohne lange zu überlegen stand er auf und stürmte aus dem Kontrollraum.
Chuck, der sich in der Zwischenzeit einer anderen Aufgabe gewidmet hatte, schaute dem Colonel nur verwirrt hinterher.
Es dauerte keine zehn Minuten, da nahm Chuck einen Schatten in den Augenwinkeln wahr und als er hochblickte, sah er Colonel Sheppard direkt auf das Büro von Colonel Carter zulaufen.

 

„Colonel? Ich muss Sie sprechen!“
Ohne zu klopfen betrat er das Büro der Expeditionsleiterin, die erschrocken aufblickte. Sie war in die vor ihr liegenden Akten so vertieft gewesen, dass sie gar nicht mitbekommen hatte, dass John Sheppard überhaupt zuvor im Kontrollraum gewesen war.
Umso überraschter war sie daher, als der militärische Leiter von Atlantis auf einmal vor ihr stand.
„John! Ehm, ja. Kommen Sie doch rein und setzen sich!“, forderte Sam ihn auf.
Der Anblick, der sich ihr bot, gefiel ihr ganz und gar nicht und Sorge bereitete sich auf ihrem Gesicht aus.
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“
Der großgewachsene Soldat sah blass aus.
War seine Verletzung womöglich doch schlimmer? Aber das konnte nicht sein, schließlich hatte Dr. Keller ihn bereits gründlich untersucht.
„Mir geht es gut“, erwiderte John nur knapp und setzte sich vorsichtig in den Sitz.
Noch immer skeptisch musterte die blonde Frau ihn. Zwar versuchte Sheppard seine Gefühle so gut es ging hinter seiner Maske zu verstecken, aber dieses Mal schien es nicht so gut zu klappen.
Sein braunes, wild durcheinander stehendes Haar sah noch unordentlicher aus als sonst und auch der Glanz in seinen grünen Augen schien zu fehlen.
„Ich will Urlaub beantragen und eine Zeit lang zur Erde zurückkehren.“

„Sie wollen was? Aber warum so plötzlich?“
Carter verstand die Welt nicht mehr. John Sheppard fragte tatsächlich nach Urlaub? Und den wollte ausgerechnet er freiwillig auf der Erde verbringen?
Ihre Alarmglocken fingen schrill an zu läuten, aber was sollte sie schon großartig unternehmen? Ihm stand noch immer mehr als genug Urlaub zur Verfügung und es war schließlich jedem frei zu wählen, wo er diesen Urlaub verbringen wollte.
Es war natürlich nicht außergewöhnlich, dass jemand zur Erde zurückkehrte, während die Person Urlaub hatte, jedoch hatte John Sheppard es bisher vorgezogen, seine freie Zeit bei den Athosianern zu verbringen - wenn er sich denn überhaupt mal frei genommen hatte, was auch äußerst selten vorkam und auch nur dann, wenn es ihm vorgeschrieben wurde.
„Urlaub! Ich will Urlaub nehmen.“
„Aber warum so plötzlich? Ist etwas auf der Mission vorgefallen, über das Sie nicht reden wollen?“
„Seit wann muss ich mich vor Ihnen rechtfertigen, wenn ich frei haben will? Es ist alles in Ordnung, es wird nur mal wieder Zeit für mich, der guten alten Erde mal wieder einen Besuch abzustatten!“
Erschrocken wich Sam mit ihrem Stuhl ein Stück zurück, als John auf einmal lauter wurde und vor Wut fast schon schrie.
Selbst im Kontrollraum konnte sie einige Techniker verwirrt einen Blick in Richtung ihres Büros werfen sehen.

„Ist ja schon gut John, Sie bekommen Ihren Urlaub! Wie lange und ab wann?“
Sie wollte sich nicht auf eine längere Diskussion einlassen. Vielleicht hatte sich der Colonel ja in ein paar Stunden wieder beruhigt und es würde ihr möglich sein, einmal in Ruhe mit ihm zu reden.
„Erst einmal eine Woche, vielleicht hänge ich noch eine zweite hinterher, ab sofort.“
Perplex starrte Sam den vor ihr sitzenden Mann an.
Was war plötzlich mit ihm los? Kam aus heiterem Himmel in ihr Büro gestürmt und verlangte ab sofort Urlaub?
Da erst fiel ihr Blick auf einen größeren Gegenstand neben Johns Stuhl. Er hatte bereits eine gepackte Tasche dabei.
Sam war sich sicher, dass etwas vorgefallen sein musste, aber nach einem weiteren Blick auf John sah sie ein, dass darüber reden im Moment nichts bringen würde. Zwar war er immer noch recht blass im Gesicht, jedoch lag eine Entschlossenheit in seinem Blick, die ihr schon beinahe Angst machte.
Vielleicht sollte sie später mit Teyla, Rodney oder Ronon sprechen, ob die etwas wussten.
„Gut ok, also ab sofort.“
Kaum hatte Carter ihren Satz beendet, war John schon wieder aufgestanden und war dabei, das Büro zu verlassen.
„John, warten Sie noch einen Augenblick!“
Widerwillig drehte Colonel Sheppard sich noch einmal herum und schaute ungeduldig zu Carter herüber.
„Was auch immer Sie vorhaben, passen Sie auf sich auf!“
„Werde ich!“
Und damit war er aus dem Büro verschwunden und eilte zu Chuck herüber.

Langsam erhob auch die Leiterin der Stadt sich und ging ebenfalls Richtung Kontrollraum.
Dort hatte Sheppard Chuck schon längst dazu aufgefordert, die Erde anzuwählen. Der Techniker schaute unsicher zu Colonel Carter herüber und mit einem Nicken signalisierte sie ihm, dass er den Wahlvorgang beginnen sollte.
Zwar verstand er nicht, was das Ganze sollte, führte den Befehl aber wortlos aus.
John lief bereits in den Torraum und wartete darauf, dass sich alle acht Chevrons aktivierten und sich somit das Wurmloch zur Erde aufbaute.
Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, als sich endlich mit einem lauten Kawoosh der Ereignishorizont ausbildete. Entschlossenen Schrittes trat er auf das Tor zu, schaute noch ein letztes Mal zurück, und trat letztendlich in das wabernde Blau.
Die Leute im Kontrollraum schauten dem so überstürzt aufgebrochenen Soldaten hinterher, wie er vom Wurmloch verschluckt wurde und verschwand.

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„Also, was haben wir hier?“
Gerade waren die Detectives Beckett, Ryan und Esposito am Tatort angekommen, gefolgt von Richard Castle, der sich bereits neugierig umschaute.
Lanie Parish trat von der vor ihr liegenden Leiche zurück und wandte sich Kate zu.
„Ein gezielter Schuss in das Herz, das Opfer war sofort tot.“
„Wer hat ihn gefunden?“
„Hey, Schätzchen, woher soll ich das denn wissen? Ich bin die Gerichtsmedizinerin bekomme ich meine Infos nur von den Toten – und der Kerl hat mir das bisher nicht verraten.“
Kurz deutete Kate ihren beiden Kollegen an, sich um die Frage zu kümmern, und warf dann einen Blick auf die männliche Leiche.
Kevin und Javier machten sich sofort an die Arbeit und während Kevin sich zum nächsten Officer begab, um sich nach demjenigen zu erkundigen, der die Leiche gefunden hatte, ging Javier dazu über nach möglichen Zeugen hinter der Absperrung zu suchen. Hinter dem Absperrband der Polizei hatte sich bereits eine große Menschenmenge angesammelt. Möglich, dass einer von ihnen etwas gesehen hatte.

„Er sieht ganz schön übel zugerichtet aus“, bemerkte Beckett bei näherer Betrachtung.
Tatsächlich war das Gesicht des Opfers mit blauen Flecken übersät und es klafften einige Platzwunden auf der Stirn, an denen noch getrocknetes Blut zu sehen war.
„So wie es scheint, wurde er vor seinem Tod verprügelt oder sogar gefoltert. Was er alles für Verletzungen hat, kann ich dir aber erst nach einer genaueren Untersuchung sagen.“
„Du sagtest eben er wurde erschossen, kann man schon etwas zur Tatwaffe sagen?“
„Noch nicht viel, die Patrone steckt noch drin. Sobald ich das Opfer bei mir habe, werde ich sie entfernen und zur Ballistik geben. Die werden euch dann sicherlich mehr Informationen liefern können.“

„Ich glaube, ich kenne denn Mann“, hörten Kate und Lanie auf einmal Castle ausrufen.
Erstaunt schauten sie in seine Richtung und stellten fest, dass Castle es mal wieder nicht lassen konnte und in die Hocke gegangen war und sein Gesicht nun dicht über das Opfer gebeugt hatte.
„Was meinen Sie damit? Sie kennen den Mann? Woher und wer ist es?“, fragte Beckett verwirrt nach.
„Ja schauen Sie denn nie Fernsehen, Beckett? Der Mann war in der ganzen letzten Woche das Gesprächsthema Nummer eins!“
„Wie Sie wissen, habe ich besseres zu tun, als immer nur Fernsehen zu schauen. Nämlich Mörder fassen!“
„Ja, wir hatten diese Woche auch so viel zu tun“, erwiderte Rick sarkastisch.
„Ist ja schon gut, würden Sie jetzt endlich erzählen, wer das hier ist?“

In dem Moment kamen Ryan und Espositio zurück.
„Der Kerl hatte keine Brieftasche bei sich, die wissen also im Moment noch nicht, wer unser Opfer ist. Und wer ihn gefunden hat, kann auch noch nicht gesagt werden: Es handelte sich um einen anonymen Anrufer, die Jungs sind noch dabei, den Anruf zurück zu verfolgen.“, berichtete Kevin Ryan ernüchternd.
Aber auch Javier Esposito konnte nichts dazu beitragen, neue Erkenntnisse zu sammeln.
„Keiner der hier versammelten Menschen hat etwas gesehen oder gehört. Sie sind erst alle hier aufgekreuzt, als sie gesehen haben, wie die Polizei hier alles absperrte.“

Niedergeschlagen wandte Beckett ihre Aufmerksamkeit wieder dem Schriftsteller zu. Es überraschte sie zwar jedes Mal aufs Neue, aber manchmal konnte auch er wichtige Informationen liefern und sie hoffte, dass es auch dieses Mal der Fall sein würde. Das würde ihnen Zeit ersparen, die sie ansonsten durch die Suche nach der Identität nutzen müssten.
„Also Castle? Ich höre!“
„Das hier ist einer der reichsten Großunternehmer in diesem Land. Er wurde vor einiger Zeit entführt, was natürlich sofort von den Medien groß verbreitet wurde. Soweit ich das mitbekommen habe, ist er in der Energiewirtschaft tätig.“
„Ein Name, Castle!“
„Patrick Sheppard.“

„Oh von dem habe ich schon einmal gehört. Er soll auch noch einen Sohn haben, der die Firma übernehmen sollte“, mischte Lanie sich ein, die gerade dabei war, ihre Sachen zusammen zu räumen und die Leiche für den Transport fertig zu machen.
„Na dann wollen wir mal zurück fahren und uns die Adresse besorgen, damit wir ihm die Nachricht überbringen können“, seufzte Kate und gab ihren Kollegen ein Zeichen zum Wagen zurück zu kehren.
An diesen Aspekt ihres Jobs würde sie sich wohl nie gewöhnen können. Es war immer wieder aufs Neue schrecklich, einer Familie die Nachricht zu überbringen, dass einer ihrer Angehörigen ermordet wurde.

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„Sind Sie Dave Sheppard?“
Ein schwarzhaariger, großgewachsener Mann Mitte Dreißig hatte die Tür geöffnet und schaute besorgt drein.
„Ja der bin ich, was kann ich für Sie tun?“
„Ich bin Detective Beckett vom NYPD und das ist Richard Castle, können wir rein kommen?“
Es war schnell gegangen, die Adresse vom Anwesen der Sheppards herauszufinden. Es lag ein wenig am Rande der Stadt und glich beinahe einer Villa, wie Beckett und Castle nun feststellten. Während Ryan und Esposito im Revier geblieben waren, um mehr über das Opfer in Erfahrung zu bringen, hatten die zwei sich auf den Weg gemacht, die traurige Nachricht zu überbringen.
„Polizei? Haben Sie neue Hinweise auf den Entführer?“
Aufgeregt winkte Dave Beckett und Castle in das Haus hinein und führte sie in das große und elegant eingerichtete Wohnzimmer.
Dort angekommen nahm er auf einem Sessel Platz und Kate folgte seinem Beispiel und machte es sich auf dem gemütlich wirkenden Sofa bequem.

Nur Rick blieb stehen und schaute sich näher in dem Wohnzimmer um. Sein erstes Ziel war der Kaminsims, auf dem viele verschiedene Fotos aufgereiht waren. Neugierig betrachtete er die Fotos.
Auf einem Bild war eine glücklich lächelnde Frau zusammen mit einem ernst dreinblickenden Mann, wahrscheinlich war dies Patrick Sheppard in jüngeren Jahren, zu sehen.
Vor den beiden saß ein kleiner Junge von vielleicht 10 Jahren mit zottigem schwarzen Haar, der begeistert mit einem kleinen Spielzeugflugzeug spielte. Neben diesem saß ein weiterer ein Junge, den Gesichtszügen nach schien es sich dabei um Dave Sheppard als kleines Kind zu handeln, der vielleicht zwei Jahre jünger sein mochte. Er schaute bewundernd zu dem anderen Jungen herüber.
Es war das einzige Foto, das die komplette Familie darstellte und auch das einzige Foto, auf dem die lächelnde Frau und der Junge mit dem Spielzeugflugzeug zu sehen waren.
Die restlichen Bilder zeigten Dave Sheppard bei seinem Schulabschluss, Dave Sheppard als Geschäftsmann, sowie diverse Fotos von Patrick Sheppard, die ihn mit wichtigen und bekannten Persönlichkeiten zeigten.
Verwundert zog Rick eine Augenbraue hoch. Auf dem Familienfoto schien es sich um eine glückliche Familie zu handeln, aber warum war von den anderen beiden Personen auf dem Foto keine weiteren Bilder vorhanden?
Vielleicht eine Scheidung? Die Frau hatte den einen Jungen mitgenommen und der Vater hatte den jüngeren Sohn behalten? Oder vielleicht sogar Todesfälle, die weitere und aktuellere Fotos verhindert hatten?

Es war Dave Sheppard, der ihn wieder aus seinen Überlegungen riss.
„Also, was gibt es Neues? Haben Sie das Schwein, das meinen Vater entführt hat? Haben Sie meinen Vater befreien können? Ich habe Sie hier vorher noch nie gesehen, was ist mit den Polizisten, die den Fall bearbeiten?“
Die Fragen sprudelten nur so aus dem Mann heraus. Beckett konnte es verstehen, dass er so aufgeregt war. So eine Entführung war nie einfach und man wusste nie, wo man gerade stand, ob die entführte Person noch lebte oder ob jede Hilfe bereits zu spät war.
Ein letztes Mal holte Kate tief Luft, bevor sie zum sprechen ansetzte.
„Ich bin nicht wegen der Entführung hier. Naja, indirekt schon.“
Bevor sie die Möglichkeit hatte weiter zu reden, hatte Dave sie schon wieder unterbrochen.
„Was heißt indirekt? Was geht hier vor?“

Man konnte dem Mann ansehen, dass ihn die Sorge um seinen Vater innerlich zerfraß, und das, obwohl er ansonsten ein sehr beherrschter Mann zu sein schien, der seine Gefühle unter Kontrolle hatte. Zumindest schloss Castle das aus den Fotos, die er sich angesehen hatte.
„Wir haben heute Nachmittag eine Leiche gefunden und allem Anschein nach scheint es sich dabei um Ihren Vater zu handeln. Es tut mir leid.“
Hätte Dave nicht schon gesessen, spätestens jetzt wäre es für ihn besser gewesen, nicht mehr länger zu stehen. All seine Kraft schien auf einmal aus seinem Körper zu weichen. Er schlug die Hände vors Gesicht und sackte vollkommen in sich zusammen, ohne ein Wort zu sagen.
Es dauerte gute fünf Minuten, bis er sich wieder einigermaßen gefangen hatte und langsam mit trauriger Miene aufblickte.
„Ist es sicher, dass es mein Vater ist?“
„Ziemlich sicher, aber ich würde Sie dennoch bitten, heute oder morgen zu uns zu kommen, um die Leiche zweifelsfrei zu identifizieren.“
„Ja, das werde ich machen.“
„Gut ok, dann hätten wir jetzt noch einige Fragen an Sie, wenn Sie sich in der Lage dafür fühlen.“
Wie ein Häufchen Elend saß Dave noch immer in dem Sessel, langsam aber richtete er sich auf und fuhr sich einmal laut ausatmend mit den Händen über das Gesicht.
„Ist schon ok, fragen Sie.“
Er stand auf und hielt schnurstracks auf einen kleinen Schrank am Fenster zu, öffnete die Schranktür und beförderte ein Glas und eine Flasche Scotch daraus hervor. Er goss sich großzügig ein und nachdem er die Flasche wieder zurück gestellt hatte, kehrte er zum Sessel zurück.

Beckett wollte gerade mit ihrer ersten Frage beginnen, da wurden Sie durch einen lauten Ruf gestört.
„Dave?! Dave, bist du da?“
Castle, der sich mittlerweile neben Beckett gesetzt hatte, sah, wie Dave erschrocken zusammen zuckte.
„Entschuldigen Sie mich einen Moment!“
Eilig stand er auf und stürzte aus dem Wohnzimmer. Verwundert schauten Kate und Richard ihm hinterher und beschlossen ebenfalls aufzustehen um zu sehen, wer da gekommen war.

„John, was machst du denn hier?“
Die Art wie Dave den Mann ansprach, ließ Kate eine Augenbraue hochziehen. Es war Kälte, aber auch Verwunderung herauszuhören. Scheinbar kannte er den Mann, der dort gerade gekommen war, verstand sich aber nicht besonders gut mit ihm.
„Ich … Du hast mir eine Nachricht schicken lassen. Glaubst du etwa, mich hat das kalt gelassen, was ich da zu lesen bekommen habe? Wieso hast du mich erst so spät informiert?“
„Ehrlich gesagt ja, ich hätte nicht damit gerechnet, das du so schnell hier auftauchst.“
Ein abfälliges Schnauben war zu hören.
„Das ist ja mal wieder typisch“, murmelte der Andere missmutig.
„Aber ich bin jetzt nicht das Thema, gibt es was neues?“
Da traten Beckett und Castle endlich dazu und bekamen einen hochgewachsenen, schlanken Mann mit schwarzem, wild durcheinander stehendem Haar zu Gesicht.
Er sah ziemlich mitgenommen aus und hatte ein großes Pflaster an der Stirn kleben. Er trug etwas, was wie eine Uniform oder ein Arbeitsanzug aussah.

„Oh, du hast Besuch“, stellte John fest, noch immer seine Reisetasche in der Hand, in der er alles Wichtige auf Atlantis schnell zusammengepackt hatte, nachdem er von der Entführung seines Vaters erfahren hatte.
Selbst im SGC angekommen, war er, so schnell wie es ihm möglich gewesen war, aufgebrochen und hatte sich nicht einmal die Zeit genommen sich umzuziehen.
Noch immer trug er die für Atlantis typische Uniform, die dringend mal wieder eine Wäsche vertragen könnte. Lediglich die Anstecker an dem Armen, die ihn als Mitglied der Atlantis-Expedition und Amerikaner auswiesen, hatte er sich eilig abgerissen und in der Tasche verstaut, da man ihn ansonsten nicht vom Stützpunkt gelassen hätte.
„Ich habe – oh!“
Dave erschien auf John total durch den Wind. Er hatte scheinbar sogar vergessen, dass sich außer ihm noch zwei weitere Personen im Haus aufhielten. Das war so gar nicht der Dave, den er von früher kannte.
Sie hatten sich zwar viele Jahre nicht mehr gesehen, aber John vermutete, dass Dave es noch immer gekonnt beherrschte, seine Gefühle und Gedanken zu verstecken, genauso, wie sie beide es früher als kleine Jungs von ihrem Vater gelernt hatten.

„Detective Kate Beckett, NYPD und das ist Richard Castle“, nahm die Frau die Initiative in die Hand und stellte sich und ihren Begleiter vor.
„Und Sie sind?“
„Lieutenant Colonel John Sheppard. Ich bin Daves Bruder.“
Er kam auf Beckett und Castle zu und reichte ihnen die Hand.
„Lieutenant Colonel? Wurdest du nicht zum Major degradiert?“, sprach Dave ihn zweifelnd an.
„Ich wurde wieder befördert, aber ist das jetzt wirklich wichtig, mal wieder auf meiner Vergangenheit herum zu reiten?“, giftete John zurück, wandte sich dann aber wieder den Gästen zu.

Die hatten das Gespräch interessiert beobachtet. Das Verhältnis der beiden Brüder schien nicht das Beste zu sein und Kate hätte zu gerne gewusst, warum bisher immer nur von einem Sohn die Rede war und nun plötzlich ein zweiter auftauchte.
Castle dagegen schien nun endlich den Grund dafür gefunden haben, warum zumindest von dem Jungen keine weiteren Bilder auf dem Kaminsims vorhanden war.
Zum dem scheinbar angekratzten Verhältnis der Brüder kam noch hinzu, dass der Mann beim Militär war, und den Worten von Dave Sheppard nach hatte er alles andere als eine rosige Karriere hingelegt.
Der Mann hatte eine Degradierung hinter sich und das als Familienmitglied einer wohlhabenden und bekannten Familie. Castle bezweifelte, dass das Verhältnis zu dem Vater viel besser war als das zum Bruder.

„Sie sind von der Polizei? Was gibt es Neues?"
„Nun, wir sind gekommen, um ihren Bruder eine schlechte Nachricht zu überbringen. Wir haben Ihren Vater gefunden – aber er war bereits tot. Es tut mir sehr leid.“
John musste schwer schlucken, als er die Worte von Beckett vernahm, schaffte es aber, seine Fassung nicht zu verlieren.
Sein Verhältnis zu seinem Vater war nie wirklich gut gewesen, weswegen es ihm nicht richtig möglich war, um den Verlust zu trauern. Allerdings bedauerte er es, sich nie mit ihm ausgesprochen zu haben und dass die letzten Worte, die sie miteinander gewechselt hatten, nur Vorwürfe und Beschimpfungen waren.

„Das ist … schrecklich. Wissen Sie schon, wer es gewesen ist?“
„Nein, wir haben gerade erst mit den Ermittlungen begonnen. Eigentlich wollten wir ihrem Bruder gerade einige Fragen stellen, aber ich denke, wir werden Sie jetzt erst einmal alleine lassen und morgen dann wiederkommen, wenn es ihnen recht ist.“
John nickte nur und begleitete Castle und Beckett zur Tür, da Dave keine Anstalten machte, sich vom Fleck zu rühren und immer nur John anstarrte.
Nachdem John die Tür geschlossen hatte, kehrte er zu Dave zurück.
„Ich denke, wir sollten reden.“
Sein Bruder nickte nur und zusammen gingen sie in das Wohnzimmer, wo Dave sich sofort wieder an das Glas Scotch klammerte, das er auf dem Tisch zurückgelassen hatte.

Unterdessen machten Kate und Richard sich auf zum Wagen, um ins Revier zurück zufahren.
„Warum sind wir gegangen? Wir hätten doch genauso gut auch jetzt unsere Fragen stellen können“, wollte Castle wissen, als er auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte.
„Weil ich zuerst mehr über die zwei und die Familienverhältnisse wissen will. Vor allem über den Colonel will ich mehr erfahren. Er hat keine wirkliche Reaktion gezeigt, als er von dem Tod seines Vaters erfahren hat, und haben Sie seine Verletzung gesehen?“
„Sie meinen -?“
„Ich weiß es noch nicht, deswegen fahren wir zuerst zurück, vielleicht weiß Lanie mittlerweile schon mehr über unseren Toten.“
Damit war das Gespräch für Kate beendet und sie fuhr los.

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„Also Dave, erzähl mir, was passiert ist“, verlangte John, als er sich mit einem Drink in der Hand auf das Sofa gesetzt hatte, auf dem zuvor Kate Beckett gesessen hatte.
„Interessiert dich das wirklich?“
Zweifelnd schaute Dave zu seinem Bruder herüber und nahm einen großzügigen Schluck aus seinem Glas.
„Natürlich interessiert es mich. Ansonsten hätte ich ja wohl kaum überstürzt meinen Stützpunkt verlassen und wäre sofort hierhergekommen. Wenn dem so wäre, läge ich jetzt im Bett und würde mich von dem Einsatz erholen, von dem ich heute erst zurück gekommen bin.“
Immer noch skeptisch wurde er von Dave beobachtet, aber dieser konnte die Wahrheit aus den Worten heraushören, und wenn er es sich recht überlegte, würde es auch keinen Sinn machen hierher zu kommen, wenn es John nicht interessieren würde.

„Vor vier Tagen ist Dad nach einer seiner Besprechungen verschwunden. Wir waren zum Mittagessen verabredet und er ist einfach nicht erschienen. Zuerst dachte ich, ihm wäre etwas dazwischen gekommen.
Ich habe ihn auf seinem Handy angerufen, aber da ging niemand ran und in seinem Büro wusste auch niemand, wo er war, da er bereits eine Stunde zuvor das Büro verlassen hatte. Die Besprechung war zu Ende, von Dad jedoch fehlte jede Spur. Da habe ich mir dann doch angefangen Sorgen zu machen, denn Dad verspätete sich zwar häufig, jedoch sagte er sonst immer Bescheid.
Als ich dann zuhause angekommen bin, habe ich einen Brief bei uns vor der Tür liegen sehen. Es war ein Brief von seinem Entführer. Ich dachte erst, ich wäre in einem Film, denn genauso sah das Schreiben aus, wie in einem dieser Krimis, wenn jemand entführt wurde.“

„Da stand aus lauter einzelnen Buchstaben aus Zeitschriften zusammengebastelt drin, dass sie Dad entführt hätten und sie verlangten 10 Millionen Dollar, damit sie ihn wieder frei ließen.
Ich habe natürlich sofort die Polizei informiert. Hätte ich das doch nur nie getan. Dann wäre er vielleicht noch am Leben! Die Lösegeldübergabe, die gestern stattfinden sollte, ist schief gegangen. Irgendwie hat der Entführer wohl herausbekommen, dass ich entgegen seiner Forderung bei der Polizei war und dass sie die Gegend im Visier hatten.
Der Mistkerl ist nicht aufgetaucht. Stattdessen habe ich einen neuen Brief vorgefunden, als ich wieder zu Hause war. Da stand drin, dass ich die Schuld daran tragen würde, was als nächstes passieren würde, und jetzt? Jetzt ist er tot! Wegen mir, weil ich so blöd war und zur Polizei gegangen bin!“

Dave sackte wieder in sich zusammen, das Glas umklammert. John stand auf und entgegen seines sonstigen Handelns ging er zu Dave herüber und nahm ihn in den Arm, um ihn zu trösten.
„Sag so etwas nicht, das ist nicht deine Schuld. Jeder wäre zur Polizei gegangen und es war auf jeden Fall nicht falsch, den Schritt zu unternehmen. Glaub mir, ich hätte es auch getan. Der Entführer will dir nur ein schlechtes Gewissen einreden.“
Einen Moment lang starrte John einfach nur geradeaus, ohne wirklich zu sehen was vor ihm lag. Dann erst sprach er weiter.

„Ich bin es, der sich schuldig fühlen sollte. Nach dem letzten Streit mit Dad habe ich einfach das Haus verlassen und mich nie wieder gemeldet. Dass wir uns nie gut verstanden haben, daran habe ich mich schon fast gewöhnt, aber ich habe auch nie verlangt, dass Dad und ich die besten Freunde sein sollten. Dafür waren wir einfach zu verschieden.
Aber dass wir im Streit auseinander gegangen sind und ich nicht die Möglichkeit genutzt habe, wenigstens eine Aussprache zu versuchen, als sich vor ein paar Jahren so viel in meinem Leben geändert hat, hat immer sehr auf mir gelastet. Ich hatte einfach Angst, ihm gegenüber zu treten, Angst, dass sich nichts ändern würde, dass es vielleicht sogar noch schlimmer anstatt besser werden würde.
Und jetzt ist Dad auf einmal tot und es liegt noch so viel zwischen uns, was ich mittlerweile bereue gesagt zu haben, was vielleicht er sogar bereut hat, getan zu haben. Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es, das es ihm ähnlich ging wie mir und dass er mich wieder als Sohn ansehen konnte und sich meiner nicht geschämt hat. Wir sind im Streit auseinandergegangen und dadurch ist es mir im Moment noch nicht einmal möglich, richtig um ihn zu trauern, was mich erst recht schuldig fühlen lässt.“

John verstummte. Das hatte er eigentlich gar nicht alles sagen wollen. Er wollte Dave lediglich ein wenig die Schuldgefühle nehmen und auf einmal war alles unkontrolliert aus ihm herausgesprudelt. Es verwunderte ihn selber, was sich in all den Jahren alles angesammelt hatte und nie ausgesprochen wurde.
Auch Dave hatte sich wieder aufgerichtet und hatte gebannt den Worten seines Bruders gelauscht. Hatte er all die Jahre ein falsches Bild von ihm gehabt?
In seinen Erinnerungen war John immer ein quirliger Junge gewesen, der nie das machen wollte, was sein Vater von ihm verlangte. Der als junger Mann einfach seinen Weg gegangen war und der Air-Force beigetreten war, obwohl er in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte.
John hätte ein erfolgreicher Geschäftsmann werden können, mit all den Fähigkeiten die er besaß. Aber als er bereits die Mitgliedschaft in der Mensa ausgeschlagen hatte, hatte sich gezeigt, dass er einen anderen Weg gehen würde.
Musste denn erst sein Vater sterben, damit beide ihre Fehler einsahen und sich endlich in einem anderen Licht sahen?
Lange saßen John und Dave noch zusammen auf dem Sofa und verbrachten den restlichen Tag damit zu reden. Sie redeten über die Vergangenheit, die Gründe, warum sie sich so verhalten hatten, wie sie es taten und waren froh darüber, endlich mal wieder miteinander auszukommen, ohne dass ein Gespräch im Streit endete.

TBC